Beim Schulcatering siegt der Preis

FT. Der Markt für Schulessen ist schwierig, verzerrt und kaum rentabel. Dennoch bauen die großen Caterer ihre  ihr Geschäft aus von  (Marion Schmidt Hamburg)

Täglich ein warmes Hauptgericht mit Gemüse, dazu Obst und Rohkost für zwischendurch, frische Kräuter, nur fettarme Milch, kein Salz, kein Formfleisch, und ein Getränk, mindestens 200 Milliliter, aber nur Wasser, oder Fruchtschorle, mit einem Drittel Fruchtsaft. Das Ganze für maximal 2 Euro. So soll die gastronomische Versorgung an Berliner Schulen aussehen. Auf dem Papier. „Wir können doch nicht zaubern“, sagt Stephan Dürholt, Bereichsleiter Service Solutions beim Catering-Dienstleister Sodexo. Gute Qualität, nahrhaft und wohlschmeckend für einen Discountpreis – „das ist nicht machbar“, so Dürholt, der deswegen kürzlich sogar bei einer Ausschreibung ein Angebot zurückgezogen hat.
Die Vorschriften für Schulessen in Berlin sind die strengsten in Deutschland. So streng, dass es keine einzige von 431 untersuchten Schulen schaffte, alle Qualitätsempfehlungen umzusetzen. Und die Preisvorstellung wird nur noch von Sachsen-Anhalt übertroffen, dort kostet ein Mittagessen im Schnitt 1,81 Euro. Bundesweit sind es im Schnitt 2,43 Euro. Betriebswirtschaftlich rentabel, so Ernährungswissenschaftler, sind 4,50 Euro. Der Markt für Schulverpflegung ist nicht nur in Berlin schwierig. Bundesweit gilt: „Der Wettbewerb wird über den Preis geführt, nicht über Qualität“, sagt Thorsten Voigt von Scolarest, dem Schulverpflegungszweig der Compass Group, Weltmarktführer im Catering.
Die Qualität sollte entscheiden, nicht der Preis

Dazu kommt: Der Markt ist stark staatlich reguliert. Über den Bau der Kantinen und die Vergabe der Schulverpflegung entscheiden fast immer die Kommunen. Und die drücken den Preis. Bei den Ausschreibungen erhält immer das günstigste Angebot den Zuschlag. So liefern auch städtische Krankenhäuser Schulessen. Oder mehrwertsteuerbefreite Beschäftigungsgesellschaften, die zu geringeren Preisen produzieren können als Cateringfirmen. „Was haben die in einem privaten Markt zu suchen?“, fragt Dürholt von Sodexo. Voigt spricht von „Marktverzerrung“: „Solange nur über den Preis geredet wird, gibt es keinen richtigen Wettbewerb……….
Quelle: Financial Times, Deutschland, 12.11.2010, Billig vs. gut

Ein Gedanke zu „Beim Schulcatering siegt der Preis

  • 22. November 2010 um 17:56
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    Das Gefaellt mir Button Plugin waere eine tolle Erweiterung. Oder habe ich es nicht gesehen?

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