Das Schulessen der "neuen kulinarischen Nation in Europa"

Eskil Erlandsson,  Schwedens Minister für den ländlichen Raum hat eine Vision: Schweden, soll die neue kulinarische Nation in Europa werden! „Mit einer Kombination von Nahrungsmittelproduktion und Tourismus schaffen wir neue Arbeitsplätze und sorgen für Wachstum. Von der Scholle auf den Tisch, von der Großküche bis hin zum Luxusrestaurant”, so lautet seine Vision.  Die Schulverpflegung ist für ihn dabei ein wichtiger Bestandteil der Vision Schwedens zur neuen kulinarischen Nation.  „Das schwedische Modell mit einem kostenlosen warmen Mittagessen  für alle Grundschulkinder sei einzigartig in der Welt, denn in der Schule lerne man richtig zu essen – und das begleitet einen das ganze Leben hindurch,“ so der Minister.   Zur Verwirklichung der Vision wurde ein Aktionsprogramm entwickelt, das von fünf Bereichen ausgeht: Primärproduktion, Nahrungsmittelverarbeitung, Essen im öffentlichen Sektor, kulinarischer Tourismus und Restaurants und Gaststätten.

1946 beschloss das schwedische Parlament, dass alle Schulkinder ein gesetzliches Recht täglich auf ein kostenloses warmes Essen in der Schule haben. Nach dem Schulgesetz von 2007 müssen die Gemeinden für die Kosten aufkommen. Die schwedische Regierung genehmigte bereits 1995 einen Aktionsplan für Ernährung (“Schweden Nutrition Action Plan”), der von 1999 bis 2004 umgesetzt wurde. Im April 2003 wurde die Regierungsrichtlinie “Ziele für Public Health” beschlossen, deren Hauptziel lautet “to create a social environment for health on equal terms for the entire population”. Mit dieser Richtlinie wurde die schwedische Public Health Strategie grundlegend geändert, und zwar wurde der Fokus von Krankheiten auf Gesundheitsprävention verschobenAm 1. Juli 2011 wurde eine neue Version des Schulgesetzes verabschiedet, in dem ein „A free nutritions school lunch for every child“ verankert ist, das sich an den WHO Vorgaben orientiert und „fettarme & kalorienreduzierte Produkte für die Schulessenproduktion“  in den Mittelpunkt der gesetzlichenVorgaben stellt. Zurzeit werden täglich 1,5  Mio. Mittagessen in Schulen angeboten, die aus Steuergeldern finanziert werden, im Wert von acht Billionen Schwedenkronen  jährlich.

Im Schulgesetz ist festgelegt, dass jeder Schüler und jede Schülerin ein freies Essen (Finanzierung aus Steuergeldern) erhalten soll. In sämtlichen Schulen sind entsprechende Infrastrukturen vorhanden. In vielen Schulen wird auch selbst gekocht und für benachbarte Einrichtungen mit produziert. Seit 2001 gibt es “Richtlinien für Schulmahlzeiten”. Diesem Ernährungsstandard liegen die “Nordischen Ernährungsempfehlungen” zugrunde, die zum Beispiel süße Getränke ausschließen, Milch nur mit einem Fettgehalt von 1,5 Prozent zulassen und für alle ein Salatbuffet vorgeben. Es werden  Essensbeiräte vorgeschrieben, deren Ergebnisse z.B. von den Caterern berücksichtigt werden müssen. Es gibt jedoch zwischen den einzelnen Schulen in Hinblick auf Qualität, Kosten, Organisation und Zuständigkeiten Unterschiede. Im Vergleich zwischen frisch kochen und Essen zukaufen, ist man  in Schweden der festen Überzeugung, dass frisch kochen billiger ist.  Schwedische Gemeinden verwenden Leistungsverzeichnisse für die Firmen, die Schulessen kochen oder liefern.

Obwohl in Schweden das freie Schulessen gesetzlich verankert ist, regelt das Schulgesetz nicht die Qualität des Essens. Diesen Herausforderungen stellt man sich nun auch im Rahmen der neuen Vision: Swedish Nutritional School Food. Aus wissenschaftlicher Sicht hat das Karolinska Institut in Stockholm dafür ein entsprechendes Programm vorgelegt und  Annika Unt Widell von den Skolmatens Vänner  ist mit einem umfassenden Konzept dafür an den Schulen des Landes unterwegs. Die SchulispeSehr erfolgreich ist dabei schon seit geraumer Zeit die Annersta Schule in Huddinge, in der Nähe von Stockholm. Die Ergebnisse von Direktor Björn Grünstein und Küchenchef Mikael Bäckman zeigen es sehr deutlich.

 

Lesen Sie dazu auch den Beitrag von Karin Lidén im Rahmen des 5. Kongresses für Kita- & Schulverpflegung in Leipzig 2011:

 04 – Lidén, Karin – Das Schwedische Modell des Schulessens, Probleme & Erfahrungen und die aktuellen Herausforderungen (pdf)

 

 

 

 

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