Deutscher Schulleiterkongress 2013: Veranstalter rechnen mit rund 2.000 Teilnehmern

Der Deutsche Schulleiterkongress DSLK geht in die zweite Runde. Nach seiner Premiere im März 2012 werden im März 2013 bis zu 2.000 Schulleitungsmitglieder in Düsseldorf erwartet. Unter dem Motto „Schulen gehen in Führung“ erwarten die Teilnehmer Praxisforen, Workshops und Vorträge sowie Top-Referenten aus verschiedenen Themenbereichen. Redakteurin Dorota Gornik hat mit den Veranstaltern, Udo Beckmann (Bundesvorsitzender VBE) und Michael Gloss (Verlagsleiter Carl Link) über die Ziele und die Gründe für den DSLK gesprochen.

Frage: Zum DSLK 2012 sind über 1.200 Schulleiterinnen und Schulleiter gekommen …

Beckmann: … eine unglaublich gute Zahl – sie zeigt, dass der Bedarf an Fortbildungen enorm groß ist.

Gloss: … und in diesem Jahr wollen wir diese Zahl sogar noch übertreffen – bei den bisherigen Anmeldezahlen rechnen wir mit rund 2.000 Teilnehmern.

Frage: Fortbildungen für Schulleitungsmitglieder sind also stark gefragt. Woran hapert es denn?

Gloss: Viele Schulleiter wissen zwar, dass Schule leiten nicht nur was mit Pädagogik und Wissen zu tun hat, sondern immer mehr auch mit Managementaufgaben und Soft Skills. Allerdings lernt man solche Sachen nicht in der Lehrerausbildung. Und im Berufsleben als Lehrer gibt es häufig nicht genug Zeit und Gründe, sich solche Fähigkeiten anzueignen. Wer sich dann auf eine Schulleiterstelle bewirbt, sieht schnell, dass ihm elementare Kenntnisse fehlen. Hier greift der DSLK ein. Wir haben Top-Referenten aus verschiedenen Disziplinen, die Schulleitungsmitgliedern das nötige Handwerkszeug mitgeben, damit sie ihre Schule moderner gestalten und leiten können.

Frage: Welche Bereiche haben besonderen Nachholbedarf?

Beckmann: Zum Beispiel das Thema „Konfliktmanagement“. Ein Schulleiter ist natürlich der Chef der Schule, aber er muss ein Gespür haben, wenn es bei den Lehrkräften oder Elternvertretern brodelt. Dann gilt es, vermittelnd tätig zu sein und eine Lösung zu finden, die beide Seiten zufrieden stellt. Viele scheuen sich aber, Stellung zu beziehen, weil sie fürchten, es könnte falsch ausgelegt werden. Andere wissen zwar, dass vermittelt werden muss, aber kennen kein Rüstzeug, wie Gespräche geführt werden sollten, damit niemand ins Hintertreffen gerät. Hier gibt der DSLK Hilfestellungen anhand praktischer Beispiele.

Gloss: Oder nehmen Sie die vielen Managementaufgaben, die ein Schulleiter heute übernehmen soll. Zu einer modernen Schule gehört es auch, mit Sponsoren zu verhandeln. Wir in Deutschland scheuen diese Basar-Mentalität jedoch eher – deswegen ist es wichtig, dass Schulleiter wissen, wie sie in solche Verhandlungen gehen und wie sie das beste Ergebnis für ihre Schulen rausholen können.

Beckmann: Entscheidend ist dabei auch, dass darauf geachtet wird, dass der Sponsor keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung der Schule nimmt.

Frage: Die Workshops und Praxisforen allein sind aber nur ein Grund, warum der DSLK bereits bei seiner Premiere so eingeschlagen ist …

Beckmann: Der DSLK ermöglicht es den Schulleiterinnen und Schulleitern, sich über Bundesländer- und Ländergrenzen hinweg zu vernetzen. Die Premiere hat uns gezeigt: Der Wunsch nach Netzwerken ist groß. Schulleitungsmitglieder können sich austauschen und sehen, wie andere Kollegen an Probleme herangehen, an denen sie selbst vielleicht sogar gescheitert sind. Frischer Wind ist das, was dringend gebraucht wird. Und wenn Ideen nahezu 1:1 übernommen werden können, weil sie erfolgreich sind, dann ist es sinnvoll, sie in die Breite zu tragen.

Frage: Wieso wird netzwerken für Schulleitungen immer wichtiger?

Gloss: Schule ist kein Mikrokosmos mehr, in dem jeder für sich selbst arbeitet. Die Welt wird globaler, und das betrifft auch den Lebensraum „Schule“ – längeres gemeinsames Lernen führt auch dazu, dass sich Eltern, Lehrer und Schulleitungen immer mehr bewusst werden, dass das Beste für ein Kind nur erreicht werden kann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht und zusammenarbeitet. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass Schulleiterinnen und Schulleiter offen sein müssen in alle Richtungen, die Kindern Wissen vermitteln können. Je mehr Ebenen involviert sind, desto breiter kann dieses Wissen gestreut werden – dafür ist ein Netzwerk von Kolleginnen und Kollegen Pflicht. Der DSLK ist die optimale Plattform dafür. Zum einen können sich hier Schulleitungsmitglieder unterschiedlicher Schulformen austauschen, zum anderen haben sie die Möglichkeit, mit potenziellen Partnern aus der Wirtschaft zusammenzukommen.

Frage: Auf dem DSLK sind Schulleitungen und Wirtschaft aber nicht nur unter sich – auch die Politik ist Gast. Welche Strahlkraft soll der DSLK auf die politischen Gäste haben?

Beckmann: Wer Politik betreibt, ist häufig weit weg von der Realität der täglichen Sorgen und Nöte der Menschen. Wir werden mit dem DSLK nicht plötzlich die Schulwelt verbessern können oder all unsere Forderungen, die wir als VBE haben, durchsetzen, darüber sind wir uns bewusst. Aber es ist wichtig, dass Politiker mit den Problemen direkt konfrontiert werden, die es in den Schulen vor Ort, in den Klassenzimmern, in den Lehrerzimmern, wirklich gibt. Wer einem Interims-Schulleiter in die Augen sieht, der seit Jahren auf einer A12-Stelle vertretungsweise sitzt, aber nicht entsprechend bezahlt wird, weil es der Stellenplan zum Beispiel nicht vorsieht, der kann nicht mit gutem Gewissen zurück in sein Parteibüro fahren und versuchen, das Problem auszusitzen. Wer direkt von diesen engagierten Leuten erfährt, welche Arbeitsbelastung auf ihren Schultern liegt und wie schlecht die Rahmenbedingungen sind, wird sich hoffentlich bewusst, dass Anreize geschaffen werden müssen, damit engagierte Lehrerinnen und Lehrer den Schulleitungs-Beruf tatsächlich als sinnvolle Herausforderung sehen und nicht als Klotz am Bein. Auch hier gilt: Der persönliche Kontakt zur Basis zählt – und dafür ist der DSLK die optimale Plattform.

Frage: Um die verschiedenen Aspekte der Schulleitungsarbeit beleuchten zu können, gibt es auch 2013 wieder hochrangige Referenten, die in Vorträgen und Praxisforen ihre Erfahrungen weitergeben …

Gloss: Wir haben auch diesmal versucht, ein möglichst breites Spektrum an Informationen anzubieten. Das ist uns, wie ich finde, sehr gut gelungen. Es gibt nicht nur Workshops zum großen Thema Inklusion, die eine besondere Herausforderung darstellt, sondern auch zur Personalführung und -entwicklung oder auch zur Frage: Wie manage ich Konflikte, die an meiner Schule auftauchen – egal ob innerhalb des Kollegiums oder zwischen Lehrern und Eltern.

Beckmann: Außerdem wird auch in diesem Jahr deutlich, wie wichtig die „weichen Faktoren“ der Schulführung sind: Ein Themenbereich widmet sich z. B. der Gesunden Schule.

Frage: Wenn Sie sich das Programm anschauen und sich genau für einen Referenten entscheiden dürften – auf welchen freuen Sie sich besonders?

Beckmann: Wenn’s wirklich nur einer sein darf: Samy Molcho. Für Schulleiterinnen und Schulleiter, aber auch für Lehrkräfte, ist Schule auch immer ein Stück weit eine Bühne – nicht, um sich selbst zu präsentieren, sondern um die Aufmerksamkeit durch kleine Gesten auf das zu lenken, was vermittelt werden soll, egal ob eine Kafka-Geschichte oder ein Dreisatz. Wer weiß, wie er wirkt, welche Fehler er vielleicht auch macht, kann seinen Körper, seine Gestik und Mimik, besser einsetzen, um Kinder zu erreichen. Ein Profi wie Samy Molcho ist da Gold wert. Er zeigt anhand ganz kleiner pantomimischer Tricks, wie wir uns selbst bewusst werden können, wie wir beim Gegenüber ankommen – und wie wir unseren Körper auch neu erfahren und nutzen können.

Gloss: Ich bin sehr gespannt und freue mich auf Prof. Grönemeyer. Er zeigt schon seit Jahren, dass Gesundheit nicht etwas lokal Begrenztes ist, sondern dass sie über Grenzen hinausgeht und dass sie schon mit kleinen Stellschrauben verändert werden kann. Daher ist es auch elementar wichtig, Gesundheit als Teil der Lehreraufgabe zu begreifen und zu überlegen, wie sie im Klassenzimmer, aber auch in der Schule als Ganzes angegangen werden kann. Das Besondere an Prof. Grönemeyer: Er ist in der Lage, sein Fachwissen einfach und klar zu erklären – das erleichtert es den Schulleiterinnen und Schulleitern, neue Ideen schnell aufzugreifen und umzusetzen.

Herr Beckmann, Herr Gloss – vielen Dank für das Gespräch.

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