Jahrestreffen von „Bio kann jeder – nachhaltig essen in Kita und Schule“ in Sachsen

„Klasse statt Masse“ ist ein viel zitierter Slogan, wenn es um Bio-Küche und Ökolandbau geht. Doch großflächiger Anbau und Außer-Haus-Verpflegung mit fünfstelligen Essenszahlen sind auch im Biosektor möglich. Davon konnten sich die Partner der Kampagne „Bio kann jeder – nachhaltig essen in Kita und Schule“ im Rahmen ihres diesjährigen Jahrestreffens Ende Juni in Leipzig überzeugen. Als erstes Exkursionsziel besuchten die Bio-Verpflegungsexperten die am Standort Leipzig ansässige Küche der GfB mbH. Als regional führender Frischmenüproduzent bewirtschaftet das sächsische Cateringunternehmen drei weitere Großküchen in Chemnitz, Hoyerswerda und Pirna. Inklusive der angeschlossenen Serviceunternehmen, beschäftigt das Unternehmen rund 300 Mitarbeiter. Täglich bereiten sie bis zu 16.000 Portionen verschiedenster Speiseangebote frisch zu und liefern diese an die Kunden aus. Zum Kundenstamm zählen zu 75 Prozent Schulen und Kindertagesstätten, aber auch Firmen und Einzelpersonen. Der Caterer legt Wert darauf, die Ernährungsbedürfnisse und Geschmacksvorlieben seiner Kunden zu erfüllen. Gemäß dem Slogan „Nicht nur von gesunder Kost reden, sondern praktizieren und anbieten“ gilt dies ganz besonders für den Bereich der Schul- und Kitaverpflegung. Erklärtes Unternehmensziel ist es, Kinder und Jugendliche in Zeiten einseitiger Ernährung mit gesunder, schmackhafter und ernährungsphysiologisch hochwertiger Kost vertraut zu machen. Gemäß einer Auflage der Stadt Leipzig gehört dazu auch der Anspruch, Kinder mit Allergien bzw. gesundheitlichen Beeinträchtigungen optimal zu versorgen. Speziell um die Zubereitung der Allergikeressen kümmern sich daher eine Diätassistentin und eine Ökotrophologin. Noch dazu trägt das Unternehmen der  zunehmenden Globalisierung Rechnung: Es bietet Essensteilnehmern, die aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen auf bestimmte Zutaten verzichten wollen, eine große Auswahl alternativer Speisen.

Schrittweiser Bio-Einstieg

Im Jahr 2005 ist der Caterer in die Bio-Küche eingestiegen, zunächst mit einem Bio-Anteil von zehn Prozent. Bereits nach einem Jahr ist es gelungen, ein Bio-Komplettmenü in den Speiseplan zu integrieren. Besonders hoch ist der Zuspruch hierfür in Leipzig: Rund 15 Prozent der Mahlzeiten werden dort in Bio-Qualität nachgefragt. Anders hingegen im ländlichen Raum, wo Bio  – nicht anders als im Lebensmitteleinzelhandel – deutlich weniger gefragt ist. Allein in Leipzig sorgen 29 Mitarbeiter dafür, dass alles rund läuft. Dort ist ein Mitarbeiter – so wie in den anderen Küchen auch – für die Bio-Linie verantwortlich. Beim Bestellen der Bio-Zutaten und Überprüfen der Wareneingänge helfen eine gesonderte Bio-Lieferantenliste und ein extra Bio-Stempel. Jede Mittagsmahlzeit enthält mindestens eine frische Komponente in Form von Obst, Salat oder Gemüse –  all dies zu einem Preis von 2,20 Euro (1. bis 4. Klasse) bzw. 2,50 Euro (5. bis 12. Kl.) und einem Bio-Preisaufschlag von 55 Cent. Die Preiskalkulation basiert hier auf einem Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, da für den Transport und die Ausgabe jeweils separate Serviceunternehmen verantwortlich sind.

Landgut Nemt – vom Bio-Pionier zum Großunternehmen

Den Abschluss des Jahrestreffens bildete eine Exkursion zum Landgut Nemt (GmbH) östlich von Leipzig. Das im Muldetal gelegene Landgut ist aus einer ehemaligen LPG hervorgegangen und zählte nach der Wende zu einer der größten Bio-Betriebe der ehemaligen DDR. Das Besondere: Gut die Hälfte der Flächen liegt in einem Trinkwasserschutzgebiet unweit der Mulde. Mittlerweile besteht das Landgut aus mehreren Betrieben und umfasst eine Gesamtfläche von rund 800 Hektar mit einem Erntevolumen von ca. 1000 Tonnen. Nur noch der ackerbauliche Bereich wird komplett ökologisch bewirtschaftet. Angebaut werden Kartoffeln und Gemüse. Mehr als 2.000 Kunden im Leipziger Raum und in Halle/Saale zählt das Landgut zu seinem Kundenkreis, darunter viele Endverbraucher, aber auch Großabnehmer. Auch wenn der Betrieb den AHV-Bereich nicht speziell beliefert, dürfte vermutlich die ein oder andere Bio-Zwiebel in den Küchen der GfB landen. Schließlich ist das Landgut Nemt Deutschlands größter Bio-Zwiebelproduzent.

Erwartungen der Teilnehmer übertroffen

Die interessante Führung in der GfB mbH hat die Erwartungen der Teilnehmer des Jahrestreffens übertroffen: „Der Betriebsleiter Horst Schellenberg hat in seiner bescheidenen, doch engagierten Art aufgezeigt, dass im großen Rahmen mehr möglich ist als wir erwartet haben“. Das Jahrestreffen fand im Rahmen der Kampagne „Bio kann jeder –  nachhaltig essen in Kita und Schule“ statt. Alljährlich treffen sich die Regionalpartner jeweils an einem anderen Ort, zum Erfahrungsaustausch, aber auch um die große Bandbreite verschiedener Betriebe der Außer-Hausverpflegung sowie von Bio-Erzeugern und Bio-Verarbeitern kennen zu lernen, die sich auf die Belieferung von Großküchen spezialisiert haben.

Ansprechpartner: Anke Brückmann, „Bio kann jeder –nachhaltig essen in Kita und Schule“ – Projektleiterin, Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN), Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung E-Mail: anke.brueckmann@ble.de

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