Johann Lafer: „Nur wer gut isst, schreibt auch gute Noten“! – Schulmensa mit Bildungsauftrag ging an den Start

Johann Lafer eröffnete am Freitag, im Gymnasium am Römerkastell, in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) seine erste Schulmensa: Die erste „Schulmensa mit Bildungsauftrag“ in Deutschland. Das Projekt soll nach Wünschen der Organisatoren bundesweit -im wahrsten Sinne des Wortes – Schule machen. Johann Lafer will mit  „seiner“ Schulmensa zeigen, dass die Schulverpflegung hierzulande ein Höhepunkt des Tages an den Schulen sein kann und muss.  „Wir betreiben hier Unterstützung von Bildung in Form von Essen“, so seine glasklare Zielvorgabe. Vergleichbares gäbe es bislang nicht. Lafer übte auch heftige Kritik daran, dass in der Bildungspolitik die Ernährung der Schulkinder immer noch eine untergeordnete Rolle spiele. Staatliche Regelungen zur Schulverpflegung oder einen TÜV für Schulmensen gebe es bislang nicht. Zum Start der Modell-Mensa waren die rheinland-pfälzischen Landesministerinnen für Bildung und Ernährung, Doris Ahnen und Ulrike Höfken gekommen. Ministerin Ilse Aigner aus Berlin, die ihr Kommen angekündigt hatte, sagte den Besuch leider –  nicht nur zur Enttäuschung von Johann Lafer -kurzfristig ab. Am nächsten Tag reiste sie zu einem geplanten Besuch nach Japan, in ein Land wo es eine Verzehrspflicht für alle Schüler gibt und wo in allen Schulen täglich für die Kinder gekocht wird. Dieses Thema stand aber leider nicht auf dem angekündigten Reiseprogramm von Frau Aigner. „Die Prinzen“ sangen zwei Acapella-Stücke zur Einweihung und es war trotzdem ein Stelldichein regionaler und landesweiter Politprominenz. Zur Arbeit von Lafer sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) jetzt: „Es geht darum, ein neues Verhältnis zu Lebensmitteln zu entwickeln.“ Dazu wurde auch der Stundenplan umgekrempelt. Eine fest angestellte Ökotrophologin – eine Expertin für Ernährung, Verpflegung und Lebensmittelwirtschaft – soll die Schüler künftig über gesundes Essen aufklären. „Die Frage der Verpflegung der Ganztagsschüler kommt ganz zum Schluss und erscheint als notwendiges Übel“, beklagte Lafers in einem Interview des Magazins „Focus-Schule“. Manche Bundesländer veranschlagten für ein Schulessen nur zwei Euro. „Dafür kann man sicher nicht die Qualität liefern, die für ein gesundes, ausgewogenes Essen notwendig ist. Vom Geschmack ganz zu schweigen“, so Mensachef Lafer. „Das will ich ändern. Nur wer gut isst, schreibt auch gute Noten“, betonte er. Was die Finanzen betrifft, ärgert sich Lafer über die bundesweite Steuerpolitik und gab den Ministerinnen mit auf den Weg: „Pro Essen zahlen wir 19 Prozent Mehrwertsteuer. Für Kondome oder Tiernahrung werden 7 Prozent verlangt, für gesundes Schulessen also fast das Dreifache. Da stimme doch etwas im System nicht.“  Lafer sieht sein Projekt als besondere Herausforderung: „Ich will mich ja nicht selbst verwirklichen, sondern die Ernährung von Schulkindern revolutionieren.“ In seiner Schulmensa werde es normales, „aber frisches, saisonales Essen“. Die Mensa sei zu 100 Prozent sein Unternehmen, ich bin Geschäftsführer ganz alleine, ich habe da sehr viel Geld investiert. Und ich habe nicht vor, damit in negative Schlagzeilen zu kommen. Es ist sei ihm eine Herzensangelegenheit. Und er möchte dieses Thema jetztkonsequent umsetzen. Wenn er nach anderthalb Jahren feststelle es gehe nicht, dann werde er auch damit fertig werden. Von Anbeginn an setze er auf volle Transparenz. Mit seinen 30 Mitarbeitern will er beweisen, dass sich auch Schulkinder für gutes Essen begeistern lassen. Frische Produkte soll es geben, vor allem aus der Region, und das für höchstens 3,99 Euro pro Gericht, einen Euro davon gibt der Landkreis. Die Kosten für die Modell-Mensa betragen rund 4 Millionen Euro, die vom Kreis Bad Kreuznach finanziert und vom Land Rheinland-Pfalz mit 2,8 Millionen Euro gefördert wurde. Somit können sich die 1.200 Schülern des Gymnasiums am Römerkastell ab sofort auf ein umfassend neues Verpflegungskonzept freuen, das weit mehr als eine warme, preiswerte Mittagsmahlzeit beinhaltet. Doch was nützt die beste Schulverpflegung wenn die Eltern der Schüler nicht mit im Boot sind: Zwei Tage lang wurden sie mit ihren Sprösslingen zum kostenlosen Probeessen eingeladen: 1.600 kamen und waren des Lobes voll. Genau wie die Eröffnungsgäste, konnten sie wie im Schulbetrieb zwischen einem Tages-,  und einem vegetarischen Gericht wählen: Serviert wurden gefüllte Frikadellen mit Kartoffelpüree und Wirsinggemüse, sowie Frühlingsrolle mit Reisgemüsefüllung, Sweet Chili Sauce und Salat.

Die Initiative food@ucation wurde von Sternekoch und Unternehmer Johann Lafer ins Leben gerufen. Ziel von food@ucation ist es, das Essverhalten der Schüler sowohl durch ein entsprechendes Speiseangebot als auch durch eine ganzheitliche Ernährungsbildung nachhaltig zu verbessern.

TV Tipp: food@ucation im ZDF-Mittagsmagazin, Vom 12.11. bis 16.11. berichtet das ZDF-Mittagsmagazin über food@ucation!

 

 

4 Gedanken zu „Johann Lafer: „Nur wer gut isst, schreibt auch gute Noten“! – Schulmensa mit Bildungsauftrag ging an den Start

  • 12. November 2012 um 10:08
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    Sehr löblich! Ich wünsche Herrn Lafer alles Gute. Mit seinen MwSt-Argumenten hat er ja sogar Recht. Das nächste Projekt sollte er doch hier bei uns in Sachsen-Anhalt starten. Allerdings dürfte er hier nur knapp die Hälfte des Essenpreises verlangen. Eine extra Ökotrophologin wäre natürlich auch nicht drin, ganz zu Schweigen vom Umstellen der Stundenpläne. Hier werden Pausen nach den Fahrplänen der Schulbusse ausgerichtet. Und wenn er mal herzhaftes Lachen hören will, braucht er nur nach 1 € Unterstützung durch die Kommunen zu fragen. Ich werde -Berichterstattung vorausgesetzt- das Projekt weiter beobachten.
    PS: Wir kochen hier für 2,00 € (inkl. Essenausgabe) und man kann durchaus auch eine gesundes und ausgewogenes Essen zaubern. Nur eben bleiben dabei die Löhne auf der Strecke. Womit wir ja eigentlich wieder beim nächsten Thema wären…

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  • 12. November 2012 um 12:40
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    Ich kann den Schülern des Gymnasiums nur gratulieren.
    Aber Herr Lafer sollte auch die Quersubventionen nennen.
    Was bezahlt er an Strom, Wasser, Miete usw.?
    Was bekommt er eventuell als Förderung für Arbeitskräfte?
    Hier wird doch der Anschein erweckt, als könne er das ohne Subventionen preislich machen und jeder fragt sich warum das nicht woanders auch geht.
    Wenn dann gehören alle Fakten auf den Tisch.
    Was kostet dann nämlich, ohne diese Subventionen, das Essen?

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  • 12. November 2012 um 16:47
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    Hallo Hr. Lafer ich leite in Raum Mannheim ein Cateringunternehmen und wir kochen täglich ca. 3000 Essen bei einer Vollkostenrechnung mit Tariflöhnen. Daher würde ich gerne wissen bei 3,99 € Brutto das sind 3,35 netto wie sie das schaffen. Nach dem wir auch 2 Schulen ein Jahr verpflegt haben, mussten wir feststellen das dies unter 5,00 € nicht zu leisten ist. Da wir nur Frischprodukte, aber noch nicht ein mal kontrolliert biologische Lebensmittel verarbeiten, haben wir uns aus diesem Markt Schulverpflegung wieder zurückgezogen.
    Wir wünschen uns auch hier ein Umdenken der Politik. Was sie sagen: nur wer gut isst kann auch gute Noten schreiben kann ich nur unterstreichen und wünsche mir dass es noch mehr prominente Köche gibt die politisch Druck aufbauen. Weiterhin viel Erfolg bei diesem Projekt.

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  • 5. Juli 2013 um 00:30
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    Ich sah Ihren Beitrag bei Lanz. Gerade vor zwei Tagen war Herr Rach im Fernsehen und berichtete, dass er wegen des Steuersatzes für Schüleressen in Berlin war und dort die Information vom Finanzministerium bekommen hat ( wurde direkt übertragen) dass Schulverpflegung gar keiner Mehrwertsteuer unterliegt, wenn der Unterricht über den Mittag verpflichtend ist.
    Schade, dass jeder für sich kämpfen muss, obwohl es so viele mit dem gleichen Problem und Ziel gibt. Noch trauriger, dass der Staat von sich aus nicht darauf hin weißt. An unserer Schule kocht „Essenszeit“ mit einem sehr ähnlichen Konzept und kämpft auch um die Preise.

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