Kritik am Essen der Schulmensa

Kritik am Essen der Schulmensa

ANFRAGE FDP gegen automatisches Catering der kreiseigenen Gesellschaft / Umfrage bei Schülern durchgeführt

Weil es von Schülern und Eltern Beschwerden über die Qualität und den Preis von Essen in Schulmensen gibt, hat die FDP-Kreistagsfraktion eine Anfrage für die nächste Kreistagssitzung am 1. November gestellt. Die Bewirtschaftung der Mensen und Cafeterien an den Schulen des Kreises wird in den meisten Fällen durch Mitarbeiter der kreiseigenen Gesellschaft zur Qualifizierung, Aus- und Fortbildung (GBW) durchgeführt.

„Es kann nicht sein, dass die Einrichtung eines Bewirtungsangebotes an einer Schule im Kreis automatisch ein entsprechendes Catering durch die GBW zur Folge hat“, sagt der schulpolitische Sprecher der FDP, Rainer Scholl.

Keine Ausschreibung

Die Schulen müssten selbst entscheiden können, „wer Herr in ihren Küchen werden soll“, meint die FDP, um bei Mängeln schnell und eigenverantwortlich reagieren zu können. Wegen der wachsenden Ganztageseinrichtungen, von Kinderkrippen bis zu Schulen, hätten sich mittlerweile am Markt eine ganze Reihe von Fachbetrieben mit entsprechend qualifiziertem Personal und speziellen Angeboten etabliert. Die FDP will vom Kreisausschuss wissen, wer in den Schulen mit der Bewirtschaftung betraut ist und ob es dafür eine öffentliche Ausschreibung gegeben hat.

Landrat Burkhard Albers (SPD) räumte ein, dass es „vereinzelt Beschwerden gibt“. Er sei von zwei Schulen angesprochen worden, der Nikolaus-August-Otto-Schule Bad Schwalbach und der Limesschule in Idstein. Allgemein werde das Essen der GBW-Köche gelobt, die auch im Kreishaus sowie für die Investitions- und Strukturbank kochen. „Das ist kein Sterneessen, aber ordentliche Kantinenküche. Dass es zu teuer sein soll, höre ich das erste Mal“, sagt Albers.

In der vorletzten Kreiselternbeiratssitzung sei über das Thema gesprochen worden, so Albers. „Mir ist es ein großes Anliegen, dass die Kinder in den Schulen ordentliches und gesundes Essen bekommen.“ Die GBW koche in den meisten Schulen, Ausschreibungen habe es nicht gegeben, weil dies nur bei bestimmten Wertgrenzen nötig sei. Die Schulen seien aber nicht verpflichtet, Essen von der GBW zu nehmen, sondern könnten einen Caterer selbst aussuchen. Beispiel sei das Pestalozzi-Gymnasium in Idstein. Damit ist ein Kreisausschuss-Beschluss von 2000, wonach der GBW die Bewirtung an Schulen zu übertragen ist, mittlerweile aufgeweicht.

„Das Essen schmeckt nicht.“ Diese Kritik sei von zwei der insgesamt 14 Schulen und 20 Kinderbetreuungseinrichtungen gekommen, die seine Gesellschaft kreisweit versorge, bestätigt GBW-Geschäftsführer Winfried Kühnl. Per Umfragen bei Schülern habe man versucht, Genaueres zu erfahren. „Die Umfragewerte waren aber besser als die Kritik“, so Kühnl. In Bad Schwalbach habe die GBW reagiert und zusätzlich eine Salat- und Nudelbar für 1500 Euro eingerichtet. Wem das Tagesessen nicht schmeckt, der kann für zwei oder drei Euro einen Teller Nudeln mit verschiedenen Soßen bekommen. Das komme sehr gut an.

Auch sei der Spagat schwierig, die Vorgaben des Landes (viel Gemüse, keine Cola), die Vorstellungen der Lehrer und der Kinder unter einen Hut zu bringen. „Von Geisenheim bis Hünstetten sagen alle, es ist gut.“ Ein Tagesessen mit Getränk koste 3,50 Euro. Der Caterer der Pestalozzi-Schule in Idstein verlange eine Pauschale für das ganze Jahr, egal ob das Kind krank sei oder nicht. So koste ein Essen dort unter dem Strich etwa 5 Euro. Und: „Nur Kinder, die eine Karte haben, dürfen in die Mensa, alle anderen nicht. Wenn einer nur einen Kakao kaufen will, geht das nicht und das finde ich nicht okay“, so Kühnl. Er weiß auch um das Ärgernis langer Warteschlangen in Mensen mit zwei Essensausgaben. Aber das Verschieben der Pausen sei nicht ohne Weiteres möglich. „Das Thema ist unglaublich kompliziert.“

Quelle: Wiesbadener Kurier : Kritik am Essen der Schulmensa, 23.10.2010 – RHEINGAU-TAUNUS, Von Heide Tittel

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