Mehr als nur Lernort: Der Schulgarten

„Schulgartenunterricht in Theorie und Praxis“, so der Titel der stark besuchten Thüringer Fachtagung Schulgartenunterricht,  an der Universität in Erfurt. Über 130 Teilnehmer waren zu dem Forum angereist, das  der Fachbereich Sachunterricht/Schulgarten der Hochschule zusammen mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) und den Fachleitern für das Fach Schulgarten an den Staatlichen Seminaren Erfurt und Gera organisiert hatte.  Auch Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht glaubt an die Zukunft des Schulgartens, obwohl sie leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. In ihrem Grußwort  betonte sie ausdrücklich:  „Thüringen ist das einzige Bundesland, in dem es bis heute das Fach Schulgarten gibt“, immerhin hatte sie vor gut 20 Jahren als Kultusministerin dafür gesorgt, dass dieser Unterricht in Thüringen Bestand hat. „Verbraucher- und Ernährungsbildung, die Erziehung zu nachhaltigem Denken und Handeln werden in unserer Zeit immer wichtiger. Es muss unserer Gesellschaft ein Anliegen sein, dass unsere Jugend versteht, woher unsere Nahrung kommt, wie wertvoll sie ist, und wie sensibel die Dynamiken und Prozesse in der Natur sind – und auch, was wir tun müssen, um diese natureigene Dynamik zu schützen und zu bewahren.“ Der Schulgartenunterricht gehöre deshalb unbedingt in den Fächerkanon der Grundschule, so die Ministerin.

 

Prof. Dr. Hans-Joachim Schwier verdeutlichte in seinem einführenden Impulsreferat „Zwischen Vision und Wirklichkeit – Schulgärten an den Wegen zur Naturerziehung“, dies ganz deutlich. Schulgarten sei mehr als nur ein Lernort, sondern Basis für Kinder die Welt begreifen und erfahren zu lernen.

 

In zahlreichen Workshops zu Themen wie „Inklusiver Schulgartenunterricht, „Alte Gemüsesorten“, „Anbau von Kulturpflanzen“, „Vom Korn zum Brot“ oder auch „Aufgaben für den Schulgartenunterricht“, wurden die Impulse ausführlich erörtert. Daneben gab es  Informationsstände, an denen Bücher und Materialien angeboten werden, sich außerschulische Lernorte und Institutionen, wie das DNSV, vorstellten.

 

Mitorganisatorin Kathrin Fuchs war mit dem Verlauf der Veranstaltung sehr zufrieden und hofft,  dass nun von Erfurt ein Signal in die Republik ausgehe, das zeige, dass der Schulgartenunterricht einen erzieherischen Wert in der heutigen Gesellschaft habe und viele Nachahmer finde.

 

Ganz in diesem Sinne verstehe sich die BAG Schulgarten, die dazu beitragen will, ein Deutsches Netz der Schulgartenaktivisten aufzubauen und alle Bundesländer auffordert, den Schulgartenunterricht und die dazugehörende Ausbildung der Pädagogen, in den Schulen aller Bundesländer, umzusetzen, so Prof. Dr. Hans Joachim Lehnert von der Universität Karlsruhe, der die Grüße der BAG Schulgarten überbrachte.

 

Ein Gedanke zu „Mehr als nur Lernort: Der Schulgarten

  • 7. Oktober 2012 um 23:10
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    Als Leipziger Kleingärtner und in einem KGV Mitgied (vormals. VKSK – Sparte) seit 1975 sind mir durch späte Vorstandsfunktion (bis nach dem 71. Geburtstag selbst. Kleinunternehmer) gravierende Verwerfungen in der Sozialstruktur von Nachfolge – Pächtern vor allem nach Abgabe von Pachtgärten zum Nulltarif aus Altersgründen enorm auffällig geworden.
    Es ist nicht die kleingärtnerische Nutzung der Parzelle als Grund erkennbar, sondern zu hohem Anteil die feuchtfröhliche Feierlust mit allem Zubehör, um kostengünstig sein Harz -IV -Geld vertun zu können. Dabei wird die völlige Vernachlässigung kleingärtnerischer und pflegender Arbeit völlig in Kauf genommen, häufig auch mit Zahlungsschuld der Pachtzins- und sonstigen Jahreskosten. So ist z.B. die „Studie zum sächsischen Kleingartenwesen 2004“ vom „Landesverband Sachsen der Kleingärtner e.V.“ m.E. aufgrund gravierender Erfassungsmängel sowie der fortschreitenden Verwahrlosung und Verrohung der Sitten heute völlig irreführend.
    Nach meiner Auffassung als Soziologe und Mathematik/Physik- und Gesellschafts-Pädagoge (längst im Ruhestand) ist der Schulgartenunterricht, und dies möglichst in enger Symbiose mit der vielen potenten Kleingärtnervereinen, bei gutem Willen und wenig Kosten für Kommunen, für einen Anteil von 40% (wie in BW) z.B. in der sog. heimlichen Hauptstadt der Kleingärtner Leipzig locker möglich. An einer Mitarbeit in Ihrem Anliegen sowie an meiner engagierten Beteiligung: „Schulgärten -(Unterrixcht) – Kleingärtnerpatenschaften dafür (vgl. Grundschule Markkranstädt) – ist mir gelegen. Es sind noch viele Ideen vorhanden, z. B. Förderverein und Vieles mehr.
    Freundlichen Gruß

    W. Netzker
    Tel.: 0341 – 4617247
    e-mall: w.netzker@kabelmail.de

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