Peter Paul van Melle: Chinesische Erdbeeren im Oktober?

Tja, wenn saisonal und regional gekocht werden würde, wäre das vermutlich nicht passiert. Jetzt ist es passiert und 11.000 Schüler sind erkrankt. Und, da brauche ich gar kein Schwarzmahler zu sein, es wird wieder passieren. Nächstes Mal trifft es vielleicht Senioren oder kranke Menschen. Der dadurch entstandene Schaden für die Caterer ist groß. Nicht nur die Entschädigung von € 50,– an jeden Schülern, was insgesamt über eine halbe Million Euro beträgt, sondern vor allem der Imageschaden, der letztendlich auf die ganze Branche zurückfällt. Künftig muss viel Geld für Marketingmaßnahmen locker gemacht werden, um das Vertrauen wieder zurück zu gewinnen. Die öffentliche Diskussion über das bisschen Geld, das einem Caterer zur Verfügung steht sollte nicht als Ausrede dienen, sondern ein Ansporn sein etwas zu ändern. Solange nämlich bei Ausschreibungen die Caterer den Ausschreibungspreis akzeptieren und noch versuchen sich gegenseitig zu unterbieten, wird sich nichts ändern. Ist es wirklich notwendig im Oktober Erdbeeren anzubieten? Und müssen diese dann aus China kommen? Wie wollen wir eine Qualitätssicherung verlangen und kontrollieren, wenn der Lieferant am Ende der Welt sitzt? Oder ist Qualitätssicherung piep-schnurz-egal? Hauptsache billig?   Die einzige Möglichkeit scheint mir die Flucht nach vorne zu sein. Die Branche muss sich, wie bei der Hygiene, ein Eigenkontrollsystem zulegen, wo solche Risiken weitgehend vermieden werden können. Bei den Banken schreien wir alle laut nach einer Regulierung, bei so etwas Wichtigem und Intimen wie unserer Ernährung kann (noch) jeder tun was er will. Wenn wir auf diesem Gebiet wirklich eine Veränderung anstreben, müssen wir Systeme implementieren, die die ganze Nahrungsmittelkette betreffen. Vom Samen bis zum Teller. Wünschenswert wäre, wenn sich dabei die GV-Branche die Regeln und Kontrollen selber auferlegen. Und nicht nur der eine betroffene Caterer, sondern die gesamte Branche inklusive seiner Lieferanten, Bauern und der Lebensmittelindustrie. Erst dann sind wir auf dem Weg das Vertrauen der Kunden wiederzuerlangen und erst dann können wir über eine höhere Vergütung und einer Anerkennung der Leistungen reden. Wir müssen das gesamte System transparent machen und zeigen, dass ein gute Qualität und fähige Mitarbeiter Geld kosten, aber letztendlich der gesamten Menschheit viel bringt. Hören wir auf, den Kunden als Einnahmequelle zusehen. Sehen wir ihn als Mensch mit einem Körper (mit innewohnendem Geist), der eine hochwertige Treibstoff braucht, um optimal funktionieren zu können. Eigentlich sollte der Hippokratische Eid auch von jedem Koch geschworen werden. Er sollte schwören, dass das zubereitete Essen dem Wohl der Menschen dient und sie gesund und leistungsfähig hält.  Ich sehe derzeit auch wenige Chancen, dass von Seiten der Politik die notwendige Unterstützung kommt. Zumal öffentliche Krankenhäuser, Heime und Schule dermaßen unter Druck gesetzt werden jeden Cent zweimal umzudrehen, auch in der Küche, sodass eine Änderung von dieser Seite Illusorisch scheint. Wie können wir uns nun organisieren, vernetzen und verbinden? Wie können wir ein System schaffen, das möglichst viele Risiken minimiert? Natürlich habe ich darauf Antworten. Ich beschäftige mich schließlich seit 35 Jahren mit der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Seit 8 Jahren habe ich quasi Tag und Nacht an eben solchem System gearbeitet. Hunderttausende Euros investiert. Und jetzt ist es ausgereift, in hunderten Betrieben getestet und einsatzbereit. Ein einheitliches System für Schulen, Heime, Krankenhäuser, Rehakliniken und Betriebsrestaurants. Es ist ein Weg aus der jetzigen Situation, wo der Stellenwert einer Mahlzeit niedriger ist als das billigste Handy. Ein System, das die nötige Transparenz, Kontrolle und Anerkennung liefert. Ein System, dass das Vertrauen wieder herstellen kann. Ein System mit dem Potenzial, die GV-Branche weltweit zu verbinden. Ich kann nicht mehr tun, als den Verantwortlichen wieder und immer wieder den Ball zuzuwerfen. Aufheben muss den Ball dann jeder selbst…

Hier können Sie den Ball aufheben

Ihr

Peter Paul van Melle

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