Über 46.000 zusätzliche Kinderbetreuungsplätze möglich

In Deutschland fehlen jedes Jahr tausende Betreuungsplätze für Kinder in Kindergärten, Horten und Krippen. Dabei könnten allein die 102 größten deutschen Städte mit einem besseren Kostenmanagement auch hier bis zu 114 Millionen Euro mehr einnehmen und bis zu 46.357 mehr Betreuungsplätze schaffen. Gleichzeitig könnten sie einen Teil der in den letzten Jahren aufgelaufenen 146 Mrd. Euro kommunaler Schulden, die viele Städte drücken, abbauen.

Das hat jetzt das große Verbraucherportal www.geld.de in einer umfangreichen Studie ausgerechnet. Voraussetzung, so die Finanzexperten, sei, dass die sehr unterschiedliche Einkommenssituation vor Ort stärker als zurzeit berücksichtigt würde. Bislang wird das Brutto-Haushalts-Einkommen zur Berechnung der Betreuungsgebühren in lediglich 50% der 102 untersuchten deutschen Städte berücksichtigt. Obendrein ist die Einkommensobergrenze, welche zur Ermittlung der Elternbeiträge für städtische Kinderbetreuung herangezogen wird,  in Deutschland sehr unterschiedlich. Sie schwankt zwischen 20.400 und 125.000 Euro pro Jahr. Insgesamt 52 Städte erheben bis zu 60,1 Millionen Euro zu wenig an Kindergartenbetreuungsgebühren (u.a. Berlin). 50 Städte, darunter etwa Hamburg, jedoch 33,4 Millionen Euro zu viel. Ein starkes Ungleichgewicht in Deutschland durchziehe sowohl die Gebührenstaffelung allgemein als auch die Kriterien für deren Ermäßigungen. So koste beispielsweise die Kindergarten-Ganztagsbetreuung für Kinder aus besserverdienenden Familien in Städten wie Dortmund 447 Euro monatlich, in Stuttgart aber nur 117 Euro, in Leipzig nur 87,02 Euro und in Wolfsburg, Deutschlands Stadt mit dem höchsten durchschnittlichen Jahres-Brutto-Einkommen von 40.341 Euro, sogar auch nur 138 Euro. Und das obwohl die Wolfsburger durchschnittlich 43% mehr verdienten als der deutsche Durchschnitt. In anderen Städten, wie in Berlin, Düsseldorf oder Ludwigshafen sei die Betreuung sogar gratis. Im Schnitt bezahlten die deutschen Erziehungsberechtigten monatlich 314 Euro für einen Krippenplatz, 207 Euro für den Kindergarten, sowie 182 Euro für die Hortbetreuung.

Kinderkrippe

Etwas näher am Idealzustand beim Kostenmanagement der Städte, sind die Gebühren für die (ganztägige) Krippenbetreuung. Hier kommt geld.de auf insgesamt lediglich 8,1 Mio. Euro, welche die 102 untersuchten Städte zu wenig einnehmen. Allerdings sind die Gebühren für die Krippenbetreuung oftmals teils unverschämt hoch. So müssen beispielsweise Besserverdienende in Bergisch Gladbach 725 Euro monatlich für einen Krippenplatz ganztags bezahlen (der Preis dürfte nach geld.de-Berechnungen eigentlich maximal bei 285 Euro liegen), in Bochum sind es 646 Euro, in Erfurt stolze 560 Euro. Letzterer Betrag ist ein Spitzenplatz für Ost-Deutschland. Der Preis dürfte in Erfurt eigentlich maximal bei 257 Euro liegen. Zum 1. März 2010 waren lediglich 23% der unter Dreijährigen in einer Kinderkrippe in Deutschland untergebracht. Doch es besteht Hoffnung. Für unter Dreijährige besteht ab dem 1. August 2013 ein Rechtsanspruch auf einen Krippen- oder Tagesmutterplatz.

Kinderhorte

Mit dem Eintritt in die Grundschule ist für viele Eltern das Problem der Tagesbetreuung ihrer Kinder gelöst, sofern ein Elternteil nur halbtags arbeitet. Sind allerdings beide ganztags tätig, ist die Alternative oft der Schulhort. Beim Vergleich der drei untersuchten Möglichkeiten (Kinderkrippe, Kindergarten, Kinderhort) fanden die Experten von geld.de heraus, dass der Hort im Bundesdurchschnitt die günstigste Betreuungsform darstellt. Der Mittelwert liegt hier halbtags bei 130 Euro, ganztags bei 182 Euro. Dennoch muss festgestellt werden: Im Bereich der Kinderhorte haushalten die Städte am schlechtesten. Hier nehmen die Kommunen von den wohlhabenderen Bürgern im Schnitt jährlich sage und schreibe 29.7 Mio. Euro zu wenig ein, was heißt: Die Preise sind hier eindeutig zu niedrig, der Sozialausgleich ist zu gering. Beispiel: In Regensburg müssten die Besserverdienenden für eine Ganztagsbetreuung statt lediglich 114 Euro insgesamt 208,27 Euro monatlich bezahlen. In Augsburg müssten statt 86 Euro 193 Euro berechnet werden, in Erlangen statt 105 Euro 239,89 Euro und in Straubing statt 95 Euro insgesamt 169,34 Euro. Billiger müsste es hingegen in Neuss sein (194 Euro statt 357 Euro), in Tübingen (170,20 Euro statt 365 Euro), in Bochum (180,80 Euro statt 434 Euro). Deutlich erkennbar: Das Preisniveau im Ruhrgebiet liegt auch bei der Hortbetreuung ganz oben.

Quelle

Ein Gedanke zu „Über 46.000 zusätzliche Kinderbetreuungsplätze möglich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.