Höfken: „Eine gute Schulverpflegung hat viele Dimensionen“

Die Redaktion Schulverpflegung sprach mit Ulrike Höfken Staatsministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz über das Thema Schulverpflegung in RheinlandPfalz und das Projekt von Johann Lafer.

Wie und warum unterstützen Sie das Projekt food@ucation von Sternekoch Johann Lafer?
Das Modellprojekt food@ucation wurde von Johann Lafer initiiert und unter Federführung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur umgesetzt. Als für Ernährung und Ernährungsberatung zuständige Ministerin freue ich mich natürlich sehr über das Projekt und werde es in den Bereichen, die mein Ressort betreffen, unterstützen. Das ist zum einen die Frage der Verwendung regionaler Produkte in der Schulverpflegung und zum anderen der Bereich der Ernährungsberatung und -bildung an Schulen. Auf diesen beiden Feldern werden wir uns verstärkt engagieren und die Ideen und Ergebnisse des Modellversuchs in die Breite tragen.

Warum nimmt das Thema Schulverpflegung an Wichtigkeit zu?
Allein die Tatsache, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Ganztagseinrichtungen besuchen macht es dringlich, sich intensiv mit der Verpflegung der Schüler auseinander zu setzen. Dabei geht es nicht nur um die Bereitstellung einer warmen Mahlzeit. Vielmehr zeigt sich, dass das gemeinsame Mittagessen in den Schulen auch eine wichtige Funktion in der Ernährungsbildung übernimmt, denn das gemeinsame genussvolle Essen ist ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens. Damit lernen Kinder die Vielfalt der Lebensmittel und Speisen kennen, sie erleben Rücksichtnahme und Fürsorge, können Esskultur und Gemeinschaftssinn entwickeln und lernen gemeinsame Mahlzeiten als Raum zur Kommunikation zu nutzen. Die Herausforderungen an die Schulverpflegung sind groß, denn verschiedene Aspekte müssen unter einen Hut gebracht werden: Essen muss gesund und schmackhaft sein, es muss den Bedürfnissen der Schüler verschiedener Altersstufen angepasst sein, es soll von hoher Qualität sein, es muss bezahlbar sein und es muss organisatorisch in den Schulalltag integriert werden.

Auf dem 5. Kongress für Kita- & Schulverpflegung im September in Leipzig war man sich weitgehend einig, dass nun durch die Praktiker alles getan sei und die Politik am Zuge sei. Was kann und muss die Politik aus Ihrer heutigen Sicht tun?
Eine gute Schulverpflegung hat ganz viele Dimensionen, von der Auswahl der Lebensmittel über den Preis bis hin zur Gestaltung einer attraktiven und lärmarmen Mensa, die alle bedacht werden sollten. Damit das möglich wird, müssen aus meiner Sicht mehrere Voraussetzungen gegeben sein. Erstens: die Verpflegungsverantwortlichen bei den Schulträgern, in den Schulen und bei den Verpflegungsanbietern müssen alle notwendigen Informationen erhalten, die sie für die Umsetzung einer guten Schulverpflegung brauchen. Zweitens: eine gute Ernährungsbildung und Aufklärungskampagne muss von Anfang an bei Schülern, Lehrkräften und Eltern ein Bewusstsein dafür schaffen, dass gutes Essen mit all seinen Aspekten etwas sehr wichtiges und wertvolles ist. Drittens müssen von den Produzenten und Verarbeitern gute, regionale und auch ökologische Lebensmittel einbezogen werden. Viertens müssen alle Beteiligten an der Schulverpflegung im Gespräch miteinander bleiben. Für diese vier Bereiche kann und sollte die Politik Rahmenbedingungen schaffen.

Hat Sie Johann Lafer mit seinem Projekt überzeugt?
Ich habe mich sehr über die Initiative von Johann Lafer gefreut. Das Modellprojekt am Gymnasium am Römerkastell in Bad Kreuznach beinhaltet genau die Aspekte, die aus meiner Sicht für eine gute Schulverpflegung wichtig sind: Regionalität, Saisonalität und Qualität des Speisenangebots, eine begleitende Ernährungsbildung in Theorie und Praxis und der Spaß am gemeinsamen Essen in einem ansprechenden Rahmen. Ich danke Herrn Lafer und allen anderen Beteiligten für ihr Engagement und werde mich daran beteiligen, dass das Modellprojekt viele Impulse für die Schulverpflegung in Rheinland-Pfalz und deutschlandweit setzen kann.
Frau Höfken, recht herzlichen Dank für das Gespräch! dmp

Redaktion Schulverpflegung

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