Vegane Ernährung: kindgerecht oder nicht?

Fleischlos – und trotzdem glücklich? Bei den schier endlosen Angeboten an Fleischersatzprodukten, vegetarisch-veganen Kochbüchern und Tipps zur fleischfreien Ernährung könnte man denken, die halbe Bundesrepublik konsumiert ausschließlich pflanzliche Produkte. Tatsächlich begreifen sich 840.000 Menschen in Deutschland als Veganer. Das geht aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamt vor und gilt für das vergangene Jahr. Wohlgemerkt: Es wurden Menschen ab 14 Jahren befragt. Wie steht es aber um die vegane Ernährung bei Kindern und Jugendlichen?

Vegane Ernährung: Was sagt der Berliner Senat?

Generell wird die vegan-Debatte relativ hitzig geführt. Denn nicht nur die Gesundheit spielt dabei eine Rolle, es geht vor allem auch um das Tierwohl. Neu ist das Thema in der Gemeinschaftsverpflegung nicht. Jedoch gibt die Umsetzung in Schulen und Kitas viel Anlass zur Diskussion. So gab es eine kleinen Anfrage an das Berliner Abgeordnetenhaus, in der die Frage nach gesundheitlichen Konsequenzen für die Heranwachsenden gestellt wurde. Der Senat antwortete, dass ihm keine Fälle bekannt seien, bei denen Kinder durch vegane Ernährung gesundheitlichen Schaden nahmen. Auch von einer Gefährdungsmeldung durch behandelnde Kinderärzte an das Jugendamt ist nichts bekannt. Zudem erklärt der Senat, dass er sich bei solchen Fragen an den wissenschaftlichen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) orientiert. Der Verein ProVeg zeigt sich daraufhin zufrieden, lässt aber auch die Tatsache nicht außer Acht, dass die DGE zu einer Ernährung mit allen Lebensmitteln rät – Fleisch und Fisch eingeschlossen.

Ganz und gar vegan?

Der Senat betont, dass eine in Berlin neu gegründete Kita, die ausschließlich veganes Essen anbieten wollte, die Auflage erteilt wurde, eine Wahlmöglichkeit zwischen veganem und nicht veganem Essensangebot sicherzustellen. Kritisch sieht der Senat, ebenso wie die DGE, dass eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen A, D, B2, Kalzium, Proteinen, Zink, Eisen und Jod durch eine rein vegane Ernährung nicht gegeben ist. Aus diesem Grund ist für beide eine Supplementierung bei Kindern und Jugendlichen unabdingbar.

In einer Position schreibt die DGE, dass sie die vegane Ernährung für Kinder und Jugendliche nicht empfiehlt. Besonders kritisch sieht sie den Mangel an Vitamin B12. Wie steht es nun also um die veganen Kitas in Deutschland? Wer für seine Kinder eine ausschließlich vegane Ernährung vorsieht, der muss dafür sorgen, dass sie mit allen notwendigen Vitaminen, Proteinen und Mineralstoffen versorgt werden, sagt sowohl die DGE als auch der Berliner Senat. Wie das bewerkstelligt werden soll und ob das nun Sache der Eltern oder der Erzieher ist, bleibt derweil noch offen.

Mareike Knewitz / Gastroinfoportal