Die 10 TOP Ernährungstrends 2021

Wir befinden uns in einer der spannendsten Dekaden der menschlichen Ernährung: Das Wissen zum Thema wächst rasant, Start-ups fordern bestehende Geschäftsmodelle heraus. In den sozialen Medien ist Ernährung das Thema schlechthin. Dazu kommen die Klimakrise, die uns zu nachhaltigem Konsum zwingt, und die Aussicht auf vier Milliarden übergewichtige Menschen im Jahr 2050. Gründe genug, die Zukunft der Ernährung in den Fokus zu rücken.

Welche Entwicklungen werden die kommende Dekade prägen? Wir haben 75 Expertinnen zu den maßgeblichen Trends im Ernährungssektor befragt. Das Ergebnis ist der Trendreport Ernährung 2021. Darin analysieren wir keine kurzlebigen Food-Trends und befragen auch keine Verbraucherinnen. Exklusiv verraten Ernährungsexpertinnen, welches Ernährungsverhalten sie beobachten: Was essen die Menschen? Warum und wie essen sie? Und was bewegt sie dabei?

Die gute Nachricht: Immer mehr Menschen achten auf ihre Ernährung und versuchen, Gesundes mit Genuss auf den Teller zu bekommen. Gleichzeitig sind viele Entwicklungen im Ernährungssektor so tiefgreifend, dass sie uns noch lange prägen werden. Welche das sind, lest ihr hier:

Die 10 Ernährungstrends im Jahr 2021

1. Vegane und pflanzenbasierte Ernährung

72 Prozent der befragten Expertinnen nannten vegane und pflanzenbasierte Ernährung als wichtigste Entwicklung der nächsten Dekade. Martin Schlatzer, Wissenschaftler an der Universität für Bodenkultur in Wien, erklärt: „Der kritische Blick der Konsumentinnen auf die Intensivtierhaltung hat sich durch die Covid-19-Ausbrüche in Schlachthäusern verschärft und damit das Bewusstsein für pflanzenbetonte Ernährungsweisen gesteigert.“ Vermehrt erkundigen sich Konsumentinnen bei den Expertinnen zu einer Ernährung, die vor allem aus Hülsenfrüchten, Getreide, Gemüse, Nüssen, Samen, Früchten besteht – und kaum auf tierische Produkte setzt. Folgende Aspekte stehen dabei im Fokus: Wie kann ich diese Ernährung praktisch umsetzen? Welche pflanzlichen Milch- oder Fleischalternativen kann ich nutzen? Wie gesund sind diese?

2. Personalisierte Ernährung

Die personalisierte Ernährung ist mit 59 Prozent der Nennungen die zweitwichtigste Entwicklung der nächsten Dekade. Dabei werden individualisierte Konzepte erstellt, um die Ernährung an persönliche Vorlieben und Bedürfnisse, körperliche Gegebenheiten oder sportliche Ansprüche anzupassen.

3. Klimaneutrale und nachhaltige Ernährung

Als drittwichtigsten Trend nannten 55 Prozent der Expertinnen klimaneutrale und nachhaltige Ernährung – also eine Ernährungsweise, die geringe Auswirkungen auf die Umwelt hat. Warum sich dieser Trend verstärkt, erklärt die Expertin Helen Bauhaus von der Deutschen Sporthochschule Köln so: „Die aufkommende Lebensmittelvielfalt im pflanzlichen Bereich zieht auch Leute an, denen es schwerer fällt, auf tierische Produkte zu verzichten.“

4. Health at Every Size und Intuitives Essen

Auf Platz vier der Trends stehen Health at Every Size (HAES®) und Intuitives Essen. HAES® ist eine medizinisch erprobte, gewichtsneutrale Anleitung für mehr Gesundheit und Wohlbefinden. Dabei spielen Selbstakzeptanz, intuitive Ernährung und Bewegung aus Freude eine zentrale Rolle. Der Trend geht also weg vom Streben nach einem Schönheitsideal oder Einheitskörper – und hin zu mehr Achtsamkeit und individuellem Wohlbefinden.

5. Ernährungsmythen und falsche Informationen

25 Prozent der befragten Expertinnen platzierten Mythen und falsche Ernährungsinformationen an fünfter Stelle der zehn wichtigsten Trends. Das Stimmungsbild zu diesem Thema ist eindeutig: Es besteht viel Irrglaube bei Ernährungsthemen. In der Ernährungsberatung und -therapie beispielsweise treffen die Therapeutinnen vermehrt auf Klientinnen und Patientinnen, die durch falsche Informationen verunsichert sind. Die Ernährungstherapeutin Edith Sichtbar wird von ihren Patientinnen oft auf bestimmte Ernährungsmythen angesprochen; diese wollen dann „wissen, ob etwas an den Mythen dran sei“. Ihre Berufskollegin Susanne Lindenthal berichtet, dass immer mehr auf Influencerinnen aus den sozialen Medien gehört werde. Ihre Klientinnen könnten kaum bewerten, ob diese Informationen wissenschaftlich haltbar seien. Lena Schwind, ebenfalls Ernährungstherapeutin, beobachtet eine Zunahme von psychosomatischen Beschwerdebildern, die auf Ernährungsmythen beruhen.

6. Betriebliche Gesundheitsförderung

An sechster Stelle der zehn wichtigsten Trends platzierten 21 Prozent der befragten Expertinnen die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Diese ist entsprechend der Definition des Bundesgesundheitsministeriums ein wesentlicher Baustein des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Ernährung und Betriebsverpflegung sind von den gesetzlichen Krankenkassen geförderte Handlungsfelder. „Ein sitzender Lebensstil in Kombination mit falscher Ernährung ist nach wie vor ein großes Problem – die damit verbundenen Risiken gilt es zu reduzieren“, sagt Helen Bauhaus von der Deutschen Sporthochschule Köln. Eine höhere Nachfrage seitens der Unternehmen registriert Caroline Ackermann vom Studio für Ernährungsberatung DR. AMBROSIUS: „Der Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung sowie gesunden und leistungsfähigen Mitarbeitern ist in den Köpfen der Arbeitgeberinnen angekommen. COVID-19 trägt zu diesem Bewusstsein bei.“ Die Arbeitgeberinnen könnten sich zudem attraktiver darstellen und Fachkräfte länger halten. Dass ein gesundheitsförderndes Speisenangebot für Beschäftigte an Relevanz bei der Wahl des Arbeitgebers gewinnt, beobachtet Holger Pfefferle, Ökotrophologe bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

7. Ernährungsbildung

Für 20 Prozent der befragten Expertinnen steht Ernährungsbildung an siebter Stelle der zehn wichtigsten Entwicklungen der nächsten Dekade. Prof. Dr. Simone Peschke, Beuth Hochschule für Technik Berlin, beschreibt Ernährungsbildung als eine gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit, da das entsprechende Wissen und die praktische Umsetzung kaum über Familien weitergegeben würden. Dr. Margareta Büning-Fesel, Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE), richtet auf Wunsch des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ab 2021 ein eigenes Referat Ernährungsbildung ein, das unter anderem Vernetzungs- und Fortbildungsangebote fördert. Das BZfE unterstützt und stärkt damit die Ernährungsbildung in den Ländern. Zudem werden Bildungsangebote zum Thema Ernährung und nachhaltige Entwicklung immer stärker in den Lehrplänen der Bundesländer implementiert. Wie Anna Rechenberger von Speiseräume F+B GmbH betont, werde das Thema immer häufiger auch als pädagogischer Auftrag von Erzieherinnen verstanden und in die pädagogischen Leitbilder der Kitas integriert. Insgesamt sind die Expertinnen einer Meinung: Ernährungsbildung wird zwar gefördert, aber noch lange nicht ausreichend.

8. Mahlzeitenersatz & Essen „to go“

17 Prozent der befragten Expertinnen nannten Mahlzeitenersatz und Essen „to go“ an achter Stelle der zehn wichtigsten Entwicklungen der nächsten Dekade. Holger Pfefferle verknüpft die Trends des mobilen Arbeitens und der flexiblen Arbeitszeiten mit der gestiegenen Popularität flexibler Mahlzeiten; Essen „to go“ spiele dabei eine zentrale Rolle.

9. Digitalisierung in der Ernährungstherapie

16 Prozent der befragten Expertinnen platzierten die Digitalisierung in der Ernährungstherapie an neunter Position der Trendrangliste. Der Einsatz digitaler Technologien in der Ernährungstherapie hat 2020 stark zugenommen, da Verbraucherinnen durch das Arbeiten im Home Office – oft verbunden mit einer Gewichtszunahme – aufgeschlossener für digitale Angebote wurden.

10. Bewusstsein für gesunde Ernährung

12 Prozent der befragten Expertinnen nannten Bewusstsein für gesunde Ernährung an letzter Stelle der zehn wichtigsten Entwicklungen der nächsten Dekade.

Die Befragung fand im Zeitraum vom 20. November bis 6. Dezember 2020 mit Hilfe eines Online-Fragebogens statt.

Quelle: Nutrition Hub