Essen in Schulkantinen kein Rückenhalt in der Politik ganzheitliche Wende notwendig

Das Essen in Schulkantinen hat keinen guten Ruf. Dass es auch anders geht, zeigte „Klarer Kopf sucht gute Nahrung“, eine Veranstaltung des Ernährungsrats Hannover und Region und der IGS List. Eine Umstellung der Schulverpflegung von „viel Fleisch, viel Fett, verkocht und klimaschädlich“ zu regionaler, saisonaler, fleischreduzierter, fair und umweltfreundlich produzierter Nahrung, wenn möglich frisch in der schuleigenen Küche gekocht: dass dies notwendig und möglich ist, versuchte die Veranstaltung „Klarer Kopf sucht gute Nahrung“ zu belegen. Gefordert wurde eine Wende zu mehr Nachhaltigkeit in der Schulverpflegung. Mahlzeiten sollen frisch, saisonal, regional, nachhaltig, klima- und ressourcenschonend, fleischreduziert und verpackungsarm möglichst vor Ort unter fairen Arbeitsbedingungen zubereitet werden. Für Caterer, die Schulen beliefern, sei der Spielraum gering, denn es gehe hauptsächlich um den Preis. Gemäß Ratsbeschluss soll ein Mittagessen einen durchschnittlichen Preis von 2,80 Euro nicht übersteigen. Es ist schwer, gesunde Mahlzeiten für Kinder und Jugendliche anzubieten, da ein Caterer-Betrieb in der Regel viele weitere Mensen und Kantinen vor allem für Erwachsene beliefert. Schüler- und Elternvertreter der IGS List wollen eine „Wende zu mehr Nachhaltigkeit in der Schulverpflegung“. Dass doch einiges möglich ist, belegt Carsten Huge, Schulleiter der Oberschule Gehrden. Der Schule verfolgt konsequent die praktische Umsetzung von Ernährung, Kochen und Nachhaltigkeit im Rahmen des Unterrichts mit allen Schülern. Ihm ist es auch gelungen, den Rat der Stadt Gehrden zu überzeugen, im Neubau in eine Frischkochküche zu investieren.

Die Landwirte der Region würde gerne mehr frische und regionale Produkte direkt an Kantinen liefern, so der Wunsch von Volker Hahn, Vors. Landvolk Hannover (Kreisverband), und Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachen. Allein die Hürden sind heute zu hoch: Es fehlen die Nachfrage und die notwendige Struktur in den Schulen. Die Hürde der Formalität/Ausschreibung kommt noch hinzu. Dass etwas in der Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller getan und verändert werden muss, darauf wies Marina von Kaweczynski, Diabetesberaterin hin.

Einig war man sich auch am Schluss darin: es kann nicht sein, dass gesunde Ernährung von der Schulleitung abhängt. Es braucht eine Verwaltung, die den starken Rückenwind der Politik spürt, mit zu gestalten. Aber gerade der fehlt zurzeit.

Sechs Forderungen stellte der AK Kantinen vom Ernährungsrat in Bezug auf eine fachliche fundierte, ganzheitliche Wende hin zu mehr Nachhaltigkeit in der Schulverpflegung in Hannoveraner Bildungseinrichtungen. 

*Frisch, saisonal, regional, nachhaltig, klima- und ressourcenschonend, fleischreduziert und verpackungsarm – so sollen leckere Mahlzeiten möglichst vor Ort unter fairen Arbeitsbedingungen zubereitet werden.

*Ein nachhaltiger Ernährungsstil soll vorbildhaft in den Schulen in Hannover / Hannoveraner Bildungseinrichtungen gelebt werden – und sich über die Schulen und die Stadt hinaus positiv in den Familien und der Gesellschaft auswirken.

*Die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Verpflegung in Schulen sind einzuhalten – als Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und im Rahmen der Fürsorgepflicht.

*Nahrungsmittelbeschaffung und -verarbeitung müssen die o.g. Kriterien ebenfalls erfüllen, inklusive fairer Preisgestaltung.

*In Zukunft müssen in den Schulen Frischkoch-Küchen statt Aufwärmküchen eingerichtet werden. Bis dahin gelten die o.g. Anforderungen für die Essens-Zulieferer.

*Im Zusammenhang mit der Schulverpflegung soll der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Sinne eines Whole System Approach umgesetzt werden: Schulverpflegung nicht nur als Baustein der Ernährung von Schüler/innen sondern als gelebte Ernährungs- und Verbraucherbildung mit Bezügen zu schulischen Lerninhalten und gesundheits- oder ernährungspädagogischen Aspekten.