Hochverarbeitete Lebensmitteln haben Auswirkungen auf die Umwelt

Eine neue Studie über die Entwicklung der brasilianischen Ernährung in den letzten 30 Jahren zeigt, dass der zunehmende Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt hat. Die in der Fachzeitschrift The Lancet Planetary Health veröffentlichte Studie ist die erste ihrer Art, die repräsentative nationale Daten über einen so langen Zeitraum verwendet, um zu zeigen, wie sich Veränderungen in der Ernährung eines Landes auf seinen Beitrag zum Klimawandel auswirken können.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit zwischen der City University of London, der University of São Paulo, der University of Manchester, der Brunel University London und der University of Sheffield durchgeführt.

Hochverarbeitete Lebensmittel

Zwischen 1987 und 2018 erlebte Brasilien einen Wandel hin zu einer Ernährung, die reich an hochverarbeiteten Lebensmitteln ist. Der Studie zufolge tragen sie von allen konsumierten Lebensmitteln am meisten zum Anstieg der Treibhausgasemissionen, des Wasserverbrauchs und des ökologischen Fußabdrucks (wie etwa die Entwaldung) bei.

Zu den hochverarbeiteten Lebensmitteln gehören rekonstituierte Produkte wie Wurstwaren, industrielle Fertiggerichte, Margarine, Süßigkeiten, Erfrischungsgetränke und andere Lebensmittel, die künstliche Zusatzstoffe wie Süßstoffe und Aromen enthalten.

Während die negativen gesundheitlichen Auswirkungen des hohen Verzehrs von extrem verarbeiteten Lebensmitteln seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt sind – einschließlich des Zusammenhangs mit Fettleibigkeit, koronaren Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs -, waren die Auswirkungen auf den Planeten bisher weitgehend unbekannt.

Wachsende Umweltbelastung durch hochverarbeitete Lebensmittel

Die Forscher berechneten die Umweltauswirkungen der gekauften Lebensmittel pro 1.000 verzehrten Kalorien (kcal) für vier Lebensmittelgruppen, die in der NOVA-Klassifizierung aufgeführt sind, welche nicht den Nährwert, sondern den Verarbeitungsgrad der Lebensmittel berücksichtigt. Bei dieser Klassifizierung werden vier Lebensmittelgruppen unterschieden:

  1. unverarbeitete/geringfügig verarbeitete Lebensmittel (G1)
  2. verarbeitete kulinarische Zutaten (G2)
  3. verarbeitete Lebensmittel (G3)
  4. hochverarbeitete Lebensmittel (G4).

Die Studie ergab, dass der Anteil der G1- und G2-Lebensmittel an der Ernährung der brasilianischen Haushalte zwar zurückgegangen ist, die Menge der konsumierten G3- und G4-Lebensmittel jedoch zugenommen hat. Die wachsende Umweltbelastung durch G4-Lebensmittel ist auf den Anstieg des Konsums von hochverarbeitetem Fleisch zurückzuführen, der seinen Beitrag zur täglichen Umweltbelastung pro Person zumindest verdoppelt hat und im 30-Jahres-Zeitraum etwa 20 Prozent des gesamten ernährungsbedingten Fußabdrucks ausmacht.

Pro 1.000 verzehrte Kalorien waren diese Ernährungsumstellungen mit einem 21%igen Anstieg des Beitrags zu den Treibhausgasemissionen, einem 22%igen Anstieg des Beitrags zum Wasserfußabdruck des Landes und einem 17%igen Anstieg des Beitrags zum ökologischen Fußabdruck des Landes verbunden.

Christian Reynolds, Mitautor der Studie und Dozent am Centre for Food Policy der City University of London, erklärt:

„Für unsere Gesundheit und Nachhaltigkeit sind hochverarbeitete Lebensmittel bereits ein massives und wachsendes Problem. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ernährungsbedingte Krankheiten und der Klimawandel die gleichen Ursachen haben und daher gleichzeitig angegangen werden müssen“.

Er schlägt daher vor, Maßnahmen und Strategien in Betracht zu ziehen, die auf mehrere Bereiche abzielen. Zum Beispiel fiskalische Eingriffe wie Steuern oder Subventionen, Regulierung der Werbung und verbesserte Lebensmittel- und Speisekartenkennzeichnung unter Berücksichtigung der Umweltauswirkungen.

Ernährungswandel gefährdet Klimaziele

Experten legen nahe, dass die westlichen Länder in den letzten 100 Jahren einen ähnlichen Ernährungswandel durchlaufen haben, und warnen davor, dass mit der wirtschaftlichen Entwicklung weiterer Länder der Trend zum Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel zunimmt, was ihre Fähigkeit, die Klimaziele zu erreichen, untergraben könnte.

Redaktion GastroInfoPortal