Julia Klöckner muss sich für Lebensmittelampel in Deutschland einsetzen

 Die französisches „Nutri-Score“-Modell informiert in Ampelfarben über ausgewogene Produkte. foodwatch hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner aufgefordert, sich umgehend für eine Lebensmittelampel in Deutschland stark zu machen. Frankreich etwa zeige längst, wie eine verbraucherfreundliche Nährwert-Kennzeichnung aussehen könne: Das französische „Nutri-Score“-Modell mache es leicht, ausgewogene Produkte auf einen Blick zu erkennen, so die Verbraucherorganisation. 

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon lange wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, wie eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Gegen diese Maßnahmen wehrt sich die Lebensmittelindustrie vehement. Auch auf den massiven Lobbydruck hin scheiterte im Jahr 2010 die Einführung einer europaweiten Lebensmittelampel.

In Ermangelung einer verbindlichen europäischen Regelung haben mehrere Länder Ampelkennzeichnungen auf freiwilliger Basis eingeführt. Das französische Modell Nutri-Score findet dabei gegenwärtig immer mehr Unterstützer. Vergangenes Jahr von der französischen Regierung eingeführt und bereits von 90 Unternehmen übernommen, haben inzwischen auch Belgien und Spanien angekündigt, die Nutri-Score-Ampelkennzeichnung einzuführen. Das Modell wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden.

Auch wenn die französische sich von der englischen Ampel unterscheidet, die 2007 von der britischen Lebensmittelbehörde FSA entwickelt worden war, so haben beide Systeme in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. Die „Original-Ampel“ zeigt nicht nur eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“.

Seit Ende 2016 gilt zwar für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Diese Angaben dürfen allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen