Kostenfreies Schulessen – Einbeziehung der Kolleg*innen aus der Praxis notwendig!

Die GEW BERLIN blickt mit gemischten Gefühlen auf die Änderung des Schulgesetzes zum kostenlosen Mittagessen in der Primarstufe, die das Berliner Abgeordnetenhaus am morgigen Donnerstag beschließen soll. „Grundsätzlich begrüßen wir die Entscheidung, das schulische Mittagessen für alle Schüler*innen kostenlos anzubieten. Uns wundert jedoch, wie überstürzt und unkoordiniert dies geschehen soll. Ohne einen gleichzeitigen Ausbau der Raum- und Personalressourcen halten wir die Ausweitung des Schulessens für einen Fehler“, erklärte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann.

Vor allem an den verlässlichen Halbtagsgrundschulen mit offenen Ganztagsangeboten besteht die Gefahr, dass es zu räumlichen Engpässen kommt. Die GEW BERLIN schätzt, dass bis zu 30 Prozent der Berliner Grundschulkinder bisher an keiner Form der Ganztagsbetreuung teilnehmen und deshalb in der Regel auch kein Mittagessen in der Schule erhalten. Selbst wenn nicht alle Schüler*innen vom kostenlosen Schulessen Gebrauch machen werden, rechnet die GEW BERLIN mit einem zusätzlichen Bedarf für rund 9.000 Schüler*innen. „Schon jetzt sind die Schulmensen sowie die Verteilküchen vollkommen ausgelastet. Es ist nicht zu erwarten, dass binnen vier Monaten genügend Personal eingestellt ist, um dem Mehraufwand gerecht zu werden. Auch die notwendigen baulichen Maßnahmen werden bis zum Sommer 2019 kaum umzusetzen sein“, erläuterte Erdmann.

Die GEW BERLIN fordert die Koalition auf, begleitend zur Einführung des kostenlosen Mittagessens einen verbindlichen Weg festzulegen, um die personellen und räumlichen Voraussetzungen für die steigende Nachfrage zu schaffen. „Dies muss unter Einbeziehung der Kolleg*innen aus der Praxis geschehen, die zur Einführung des kostenlosen Schulmittagessens bisher überhaupt nicht gehört wurden“, betonte Christiane Weißhoff, Leiterin des Vorstandsbereichs Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit in der GEW BERLIN. Für den Fall, dass unterstützende Maßnahmen ausbleiben, befürchtet Weißhoff: „Dieses Gesetz könnte zu Lasten der Qualität beim Mittagessen gehen. Das Schulessen würde zu Fastfood am Stehtisch verkommen. An einen pädagogischen Mehrwert wäre dann nicht mehr zu denken“.

Bereits im Dezember 2018 hat die GEW BERLIN das Gespräch mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gesucht, um zu erfahren, wie das kostenfreie Schulessen und die Kostenfreiheit der Ganztagsbetreuung praktisch umgesetzt werden soll. Leider ohne Erfolg. „Wir befürchten, dass hier erneut ein politisch durchaus sinnvolles Ziel auf dem Rücken der Beschäftigten und zu Lasten der Schüler*innen durchgesetzt wird“, so Weißhoff.