Schulessen auch eine Frage des Preises

Gerade die kleinen gastronomischen Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung stehen seit der Coronakrise stark unter Druck – so auch TOM Catering in Gollmitz. Seit fünf Jahren versorgt Tom Scharbert mit seinem kleinen Cateringunternehmen in der Gemeinde Nordwestuckermark im Nordosten Brandenburgs Grundschulen und Kitas täglich mit Ordentlichen Menüs: T(äglich) O(rdentliche) M(enüs). Nicht erst seit der Coronakrise muss er mehr als jeder andere der Branche mit seinen Kosten und damit um seine Existenz kämpfen. Seit 2015 koste ein Schulessen 2,60 Euro pro Mahlzeit. Produziert wird täglich frisch in seiner Schulküche, die sich in einem alten modernisierten Gutshaus befindet, die dafür von der Gemeinde gebaut und eingerichtet wurde. Tom Scharbert bezahlt an die Gemeinde Pacht und Energie; dafür verlassen im Normalfall täglich 250 Menüs seine Küche, die er mit einem kleinen Küchenteam produziert. Ihm zur Seite stehen dabei eine Köchin und eine Hilfskraft. Wiederholt hatte er den Anlauf unternommen, den Preis den Marktgegebenheiten anzupassen und dies nicht nur wegen gestiegener Einkaufpreise und einer Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Sein betriebswirtschaftliches Ziel war es, des Menüpreis auf 3 Euro anzuheben. Das hätte eine Veränderung um 40 Cent pro Tag und Schulkind bedeutet. Doch sein Vorstoß scheiterte, obwohl seitens der Gemeindeverwaltung durchaus die Einsicht vorherrschte, dass seine Preise nicht kostendeckend sein könnten. Mit einem neuen Vertrag über zwölf Monate zu den alten Bedingungen ging es erstmal weiter.„Ich komme mir vor wie bei einer ABM: arbeiten und nichts verdienen.“ Dazwischen kam die Coronakrise, die auch an ihm nicht spurlos vorübergeht. Zwischenzeitlich produzierte er lediglich drei Schulessen und ein Kitaessen. Die Rettung in dieser Zeit war sein Lieferservice für Büros und Arztpraxen. Er baute diesen noch weiter aus und belieferte Schüler und deren Eltern in Zeiten von Homeschooling mit Essen in Einwegverpackungen. So kam es, dass er täglich 50 bis 60 Menüs produzierte, die er dann persönlich auslieferte. Dabei habe er viel Wertschätzung seitens der Eltern erfahren. Daher glaubt Tom Scharbert, dass die Eltern durchaus bereit wären, etwas mehr Geld für das Essen ihrer Kinder auszugeben. Hilfe und Unterstützung seitens der Politik bekam er nicht. Seine lakonische Bemerkung dazu: „Ich komme mir vor wie bei einer ABM: arbeiten und nichts verdienen.“ Noch zehrt er von seinen kleinen Reserven und bringt seine Arbeitskraft unentgeltlich in sein Unternehmen ein. Lange kann er das aber nicht mehr durchhalten. Der gelernte Koch Tom Schabert ist seit 25 Jahren im Bereich Catering und Partyservice tätig: Er hat im Ratskeller in Berlin Köpenick, dem Freizeit und Erholungszentrum (FEZ) in der Wuhlheide, dem Cateringunternehmen Cara in Berlin und der Bio-Cateringfirma Delifrizz gearbeitet und dort seine gastronomischen Erfahrungen gesammelt, bis er sich vor fünf Jahren selbständig machte. Mit seiner Frau hat er jüngst noch einen Dorfladen mit einfachem Imbissangebot eröffnet. Den kleinen Hofladen haben sie sich als ein zweites Standbein gedacht. Bisher wurden ihre Erwartungen nur bedingt erfüllt. Er hofft nun auf den Regelbetrieb der Schulen nach den Sommerferien, um seinen Cateringbetrieb wieder voll auszulasten. Denn er kann sich nicht vorstellen, dass einer seiner Kollegen bereit wäre, zu diesen Konditionen tätig zu sein – vor allem wenn täglich vor Ort frisch gekocht werden soll. Sein Fazit: „Auch eine optimale Schulverpflegung hat ihren Preis.“