Schulessen in Japan: Gesund und ausgewogen

Das gemeinsame Mittagessen ist in Japan fester Bestandteil des Alltags an staatlichen Grund- und Mittelschulen. Das Thema Ernährung ist Lehrstoff an allen Grund- und Mittelschulen Japans. In Sachen Ernährung gelten Japans Kinder als die gesündesten der Welt. Vgl. dazu auch: Gut essen will gelernt sein.

DNSV Botschafter Prof. Dr. Peinelt hatte Japan besucht und darüber auch ein Buch geschrieben: V. Peinelt: Kann Deutschland von der Schulverpflegung in Japan lernen? 2. Auflage 2018.

Peinelt: „Sieben Gründe, warum die deutsche Schulverpflegung so mangelhaft ist!“:

1. Esskultur: Warum ein Land, in dem jeder Fernsehsender mit mindestens drei Kochsendungen aufwarten muss, so wenig Wert auf die schmackhafte und gesunde Verpflegung seiner Schulkinder legt, weiß der Himmel! Wer weder bereit ist, eine ausreichende Finanzierung bereitzustellen noch für eine einheitliche, praktikable und deshalb kostengünstige Organisation des Schulessens zu sorgen, sollte sich allerdings auch nicht über Kantinen und Zulieferer ereifern, die nicht in der Lage sind, den Anforderungen an eine gesunde Verpflegung der Kinder zu entsprechen. Die Wertschätzung von Lebensmitteln, das Wissen um Zubereitungsarten, über saisonale und regionale Besonderheiten von Gerichten könnte dagegen selbst zum Unterrichtsfach werden. Schließlich hat das Interesse am guten Essen in den vergangenen Jahrzehnten durchaus zugenommen. Kindern zu vermitteln, dass das gemeinsame Kochen und Essen ein Höhepunkt des Schultags sein kann, würde sich lohnen – denn nur solcherart Vorgebildete werden auch als Erwachsene nach guten Lebensmitteln verlangen.

2. Zuständigkeiten: Während in vielen europäischen Nachbarländern das gemeinsame Mittagessen zum Alltag der Schulkinder gehört, wird in Deutschland vielerorts noch über Sinn und Unsinn von Ganztagsschulen gestritten. Die Zuständigkeit der Länder für die Schulpolitik hat auch beim Schulessen zu einem heillosen Durcheinander geführt. Es mangelt an rechtlichen Vorgaben, einer rationellen Organisationsstruktur und einheitlicher Qualifizierung des Personals.

3. Besteuerung: Mögen Frankreich und Italien große Stücke auf ihre kulinarische Tradition halten, zu den zivilisatorischen Errungenschaften Deutschlands zählt sein Steuersystem. Und das legt fest: Wer im Stehen isst, isst günstiger. Seit Anfang 2009 wird auf Schulessen der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent erhoben, sofern es vom Caterer geliefert wird und der auch für die Ausgabe des Essens und die Geschirrreinigung sorgt. Wer Fastfood isst, zahlt dagegen nur den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent.

4. Personal: Ohne entsprechende rechtliche Vorgaben ist auch die Qualifikation des Personals vom Zufall abhängig. Profibetriebe wiesen in der Untersuchung der Uni Niederrhein vergleichsweise geringere Mängel auf als Amateure. Schulessen oder das Essen in der Kita wird in Deutschland aber nicht selten von Elterninitiativen privat organisiert. Engagierte Mütter kochen für die Kinder. Denen schmeckt es auch. Geschmack kann aber bei einer regelmäßigen Gemeinschaftsverpflegung nicht das einzige Kriterium sein.

5. Finanzierung: Ein kostenloses Mittagessen in deutschen Schulen und Kitas dürfte wohl auf absehbare Zeit ein Traum bleiben. Dabei wäre es unter bestimmten Voraussetzungen durchaus finanzierbar. Für etwa 500 Millionen Euro pro Jahr wäre es machbar, hat die AG „Schulverpflegung“ errechnet. Das umstrittene Betreuungsgeld kostet schätzungsweise zwei Milliarden Euro pro Jahr. Das Vierfache von dem, was ein vollwertiges kostenloses Mittagessen für alle Ganztagsschüler kosten würde.

6. Verpflegungssystem: Charakteristisch für das Essen in deutschen Schulkantinen ist die sogenannte „Warmverpflegung“. Lange Warmhaltezeiten und ein hoher Vitaminverlust sind die Folge. Vom jammervollen Anblick, den stundenlang warmgehaltenes Essen bietet, wissen Kantinenesser ein Lied zu singen. Experten plädieren deshalb für Kühl- und Tiefkühlkost, die in den Schulkantinen erwärmt oder fertig gekocht wird. Die Vorteile: ein höherer Vitamingehalt bei qualitativ hochwertigen, aber preiswerten Speisen.

7. Teilnahme am Schulessen: In Deutschland ist die Teilnahme am Schulessen keine Verpflichtung, wie auch in den meisten anderen europäischen Ländern nicht. Studien haben gezeigt, dass Kinder, besonders ältere Kinder, ihr Taschengeld in der Mittagspause lieber zu McDonald’s tragen, als in der Schulkantine zu essen. Wie man aus der Pflicht, am Essen teilzunehmen, auch ein Vergnügen machen kann, zeigt das Beispiel Japan: Hier ist das Schulessen ein lebendiger Teil des Unterrichts und der Gesellschaftskunde.

Quelle: Frankfurter Rundschau