Die Tafeln platzen aus allen Nähten

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind in Deutschland rund 3 Millionen Kinder und Jugendliche von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Aufgrund von materieller Not nutzen etwa 350.000 Kinder und Jugendliche die Angebote der Tafeln, die weit über die Lebensmittelausgabe hinausgehen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel, Jochen Brühl, die Bundesregierung auf, Kinderarmut in Deutschland zu beenden: „Es ist eine Schande, dass es die Politik seit Jahren trotz Ankündigung nicht geschafft hat, der steigenden Kinderarmut in Deutschland durch effektive Gegenmaßnahmen Herr zu werden. Statt sich weiter für finanzielle Entlastung reicher Erben einzusetzen, ist es an der Zeit, das Vererben von Armut von Generation zu Generation endlich zu unterbinden. Zu den Tafeln kommen mittlerweile Familien in der dritten Generation. Wie lange will die Regierung diese sozialen Missstände noch ignorieren?“  Allein die Münchner Tafeln versorgten zuletzt nach eigenen Angaben gut 20.000 Menschen. Ende 2015 waren es noch 18.000 gewesen. In Berlin und Brandenburg verzeichnete der Landesverband der Tafeln einen besonders kräftigen Zuwachs an Bedürftigen. Täglich würden sich zwischen 700 und 1000 Menschen an die Ausgabestellen wenden. 2015 seien es nur etwa 600 bis 800 pro Tag gewesen. In Nordrhein-Westfalen versorgen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der mittlerweile bereits über 400 000 Bedürftige. Der Bertelsmann-Stiftung zufolge wuchsen 2015  in Deutschland insgesamt mehr als 1,9 Millionen Jungen und Mädchen in Armut auf (14,7 Prozent) – 52.000 mehr als noch 2011. Unstrittig ist, dass Kinder aus unteren Schichten in Deutschland im OECD-Vergleich nur sehr schwer aufsteigen können. Etwa 40.000 Menschen hierzulande gehörte zuletzt fast ein Fünftel des gesamten Vermögens. Die ärmere Hälfte der Deutschen musste sich mit gerade einmal 2,5 Prozent aller Besitzstände zufrieden geben.

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