In der Praxis mangelt es an wichtigen Alltagskompetenzen!

Baden-Württemberg hat Mitte Februar 2014 beschlossen, das Thema Ernährung in den Leitprinzipien des neuen Bildungsplans 2015 zu verankern und im Schulalltag aufzugreifen. Ab Klasse Sieben soll das unter der Überschrift „Prävention und Gesundheitsförderung“, „Verbraucherbildung“ sowie im Wahlpflichtfach „Alltagskultur, Ernährung, Soziales (AES)“ an Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen realisiert werden. Das ist zwar nichts grundlegend Neues, aber offenbar ist das nicht ein Vorstoß eines einzelnen Ministeriums, sondern ein größerer angelegter Plan einer gesamten Landesregierung.  Denn sowohl Ministerpräsident Winfried Kretschmann als auch Verbraucherminister Alexander Bonde scheinen an einem Strang zu ziehen. Bonde stellte im Ministerrat die Pläne vor und Kretschmann unterstrich die Bedeutung: „Das Thema Ernährung ist von großer und aktueller gesellschaftspolitischer Relevanz. Es wird immer weniger zu Hause gekocht und das Wissen über Lebensmittel und deren Zubereitung sinkt.“  „Ernährungsbildung“ ist aber nicht nur Kochen. Die Fachgruppe Ernährungsbildung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung definiert den Begriff neu und praxisbezogen: „Heute sind im Bereich Ernährungsbildung vor allem ernährungs- und konsumrelevante Kompetenzen gefragt, da sich im Rahmen der gesellschaftlichen Veränderung der Agrar- zur Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft das Spektrum von „Beschaffung und Produktion von Lebensmitteln“ hin zu „Auswahl und Konsum“ verschoben hat.“ Da in jedem Bundesland – Föderalismus sei Dank – die Ernährungsbildung anders organisiert ist, wäre eine gemeinsame Zielorientierung inklusive der Aus-, Fort- und Weiterbildung ein äußerst wünschenswertes Szenario. Bis dahin sind einzelne Maßnahmen wohl alternativlos. Was nutzt aber die beste Ernährungslehre, wenn sie keine Anwendung findet? Theoretisch wissen bereits viele Kinder und Jugendliche, wie sie sich ernähren sollten. In der Praxis mangelt es jedoch an wichtigen Alltagskompetenzen. Entsprechend begrüßenswert sind gezielte und nachhaltige Initiativen, die dieses große Manko beheben. Denn was Hänschen nicht an Kompetenz mitbekommt, lässt Hans unsicherer vor dem Supermarktregal stehen. Harald Seitz, www.aid.de

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