173.000 Kinder in Berlin leben von Sozialleistungen

„Kinderarmut ist eine unerträgliche Schande!“ so der Bericht einer der Hauptstadtmedien und weiter “ Kinderarmut sind Fehlleistungen in der bisherigen Arbeit der Regierenden“. Dabei kommt man zu der Einschätzung, dass es im politischen Alltagsge­schäft keine wesentliche Rolle zu spielen scheint, dass hunderttausende Kinder in Deutschland ohne Frühstück in die Kindergärten und Schulen kom­men, dass sie keinen Platz an einer Musikschule ergattern, dass sie nicht im Sportverein sind, dass sie nicht an Klassenfahrten teilnehmen, nicht drei oder vier Mal im Jahr in den Urlaub fahren oder fliegen, die meisten nicht ein einziges Mal im Jahr für eine Woche ihre Stadt verlassen, um ans Meer zu fahren, dass sie aus Scham keine Freunde zu sich nach Hause einladen, sie so gut wie nie zusammen mit den Eltern ins Kino, in die Tobewelt, ins Spaßbad oder in den Tierpark gehen und so weiter und so fort. Genau diese unzähligen alltäglichen Benachteiligungen gehören zu diesem Wust an Ausgrenzungen, den wir als Kinderarmut in einem reichen Land zusammenfassen, als meist bedauernswerte Kindheit unter dem mittleren Lebensstandard. Vom bedarfsgerechten Regelsatz eines von Hartz IV abhängigen Kindes bleibt dann nicht viel. Denn das Existenzminimum eines Kindes wurde auf ein Niveau heruntergerechnet, das eindeutig auf Kindeswohlgefährdung hinausläuft. Eine politisch genau so gewollte Kindeswohlgefährdung, die einem das Herz zerreisst, so der Autor, dem das DNSV nur zustimmen kann!

Zitat nach: strassenfeger, Nr. 09, Juni/Juli 2017

Zum Thema Bildungsgerechtigkeit hatte z.B. das Deutsche Kinderhilfswerk im letzten Jahr den Kinderreport 2016 vorgestellt. Nach der dem Kinderreport zugrunde liegenden repräsentativen Befragung fordert eine sehr große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland umfangreiche Reformen im Bildungssystem, um von Armut betroffenen Kindern mehr Bildungschancen zu bieten. 93 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass dafür ein einheitliches Bildungssystem ohne deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern „sehr wichtig“ oder „wichtig“ ist. Als weitere wichtige Maßnahmen werden die spezielle Förderung von benachteiligten Kindern in Kitas und Schulen (95 Prozent), mehr Erzieher/innen und Lehrer/innen (95 Prozent), aktuelleres und besseres Lehrmaterial (92 Prozent) sowie geringere Kostenbeiträge für Kita und Schule und Kostenfreistellungen für Lernmaterial, Tagesverpflegung und Teilnahme an Sport und Kultur (92 Prozent) befürwortet. Sehr verbreitet sind darüber hinaus Meinungen, dass auch eine bessere Qualifikation und Leistungsanerkennung von Erzieher/innen und Lehrer/innen (88 Prozent), die Stärkung sozialer Kompetenzen (88 Prozent) und die individuelle Förderung armer Kinder (85 Prozent) helfen könne. Hohe Zustimmungsraten erzielen zudem die Forderung nach mehr Ganztagsbetreuung (82 Prozent) und ein längeres gemeinsames Lernen von Kindern mit unterschiedlichen Leistungsniveaus (78 Prozent).

Aktuell dazu auch:  Studie „Demographischer Wandel adé – Aktuelle Bevölkerungsentwicklung und Folgen für die allgemeinbildenden Schulen“ der Bertelsmann Stiftung.