VDSKC fordert grundsätzliches Umdenken in Sachen Schulessen

Der Beschluss des Hamburger Senats fällt in eine denkbar ungünstige Zeit: Corona-Beschränkungen belasten die Gastronomie seit zwei Jahren übermäßig stark, die Inflation erreichte mit 5,3 Prozent im Dezember 2021 einen neuen Höchstwert, insbesondere die Preise für Energie und Lebensmittel sind zuletzt gestiegen. „Wir blicken mit völligem Unverständnis auf die Entscheidung“, sagt Ralf Blauert, 1. Vorsitzender des VDSKC. „Gerade für Familien mit mehreren Kindern ist ein Preissprung von mehr als 14 Prozent pro Mittagessen eine inakzeptable Mehrbelastung.“ In Hamburg profitierten zwei Drittel aller Essenskinder von der städtischen Bezuschussung, die erst Anfang 2020 – kurz vor der Bürgerschaftswahl – eingeführt wurde.

Ralf Blauert, 1. Vorsitzender des VDSKC.

Mit der sozialen Preisstaffelung, die in Hamburger Grundschulen angewendet wird, hat die Stadt ein sinnvolles und erprobtes politisches Mittel an der Hand. Die sogenannte Sozialstaffel bezuschusst für Kinder der Klassen 1 bis 4 das Essen in Abhängigkeit vom Einkommen der Eltern. Das Geld dafür stammt aus Haushaltsmitteln der Hansestadt. Für ebenso viele Kinder trägt der Bund im Rahmen des Starke-Familien-Gesetzes die Kosten des Mittagessens. Das Ergebnis der hohen Zuschussquote ist eine fast einhundertprozentige Essensbeteiligung bei den Grundschulkindern. Ab Klasse 5 fallen alle Unterstützungen weg und bewirken ein deutliches Absinken der Essensquote.

Hamburger Cateringunternehmen befürchten nun einen weiteren Anstieg an Essensabmeldungen. Bereits seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Zahlen der teilnehmenden Schüler rückläufig. „Der Zugang zu einer ausgewogenen, warmen Mahlzeit für jedes Schulkind muss niederschwellig sein und sollte nicht vom Einkommen der Eltern abhängen“, findet Ralf Blauert. Der Verband setzt sich daher bundesweit für eine komplette Kostenübernahme der Schulverpflegung ein. „Eine Ausweitung der Sozialstaffel auf alle Klassen in Hamburg wäre in diesen Zeiten ein Schritt in die richtige Richtung. Gerade von einem rot-grünen Senat hätten wir eine sozialverträgliche Lösung bei so einem wichtigen Thema erwartet“, ergänzt er.

Quelle: VDSKC