Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und seelischem Befinden

Gesundes Frühstück und Mittagessen stärken nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche von Heranwachsenden, so die Schlussfolgerung einer großen englischen Beobachtungsstudie unter Schulkindern, die kürzlich im British Medical Journal vorgestellt wurde. Das Autorenteam um Dr. Richard Hayhoe, Norwich Medical School, University of East Anglia, Norwich, UK, bezog insgesamt Daten von 7.570 Kindern und Jugendlichen von weiterführenden Schulen sowie von 1.253 Grundschülern in ihre Berechnungen ein. In der Studie fühlten sich Kinder, die ein gesundes Frühstück und ein nahrhaftes Mittagessen hatten, psychisch deutlich stabiler als Kinder, die morgens und mittags nichts, lediglich ein Getränk oder nur einen Snack zu sich nahmen. Unter Kindern an weiterführenden Schulen wirkte sich zudem der Verzehr von Obst und Gemüse positiv auf das geistige Wohlbefinden aus. „Obwohl es sich lediglich um eine Querschnittsstudie handelt, die nur Assoziationen und keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen zeigen kann, liefert sie einen erneuten Beleg für einen Zusammenhang zwischen Ernährungsweise beziehungsweise -qualität und seelischem Befinden“. So der Kommentar von Professor Hans Hauner, Leiter des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München, auf Medscape, einer Online-Plattform für Ärzte und Gesundheitsexperten. Gerade für Kinder ist eine ausgewogene und regelmäßige Ernährung wichtig, weil sie im Wachstum sind und nicht nur Energie, sondern auch ein breites Nährstoffportfolio benötigen, so der Ernährungsexperte. Zudem hätten sie geringe Glykogenreserven und seien auf regelmäßige Zufuhr von Kohlenhydraten angewiesen, um körperlich leistungsfähig zu sein und sich konzentrieren zu können. Der zitierten Studie zufolge nahm rund ein Fünftel der Kinder auf weiterführenden Schulen morgens vor dem Unterricht lediglich ein Getränk zu sich oder frühstückte gar nicht; unter Grundschülern war es ein Achtel. Diese Schüler hatten deutlich schlechtere Werte bei den Tests zur psychischen Gesundheit als Kinder, die normal frühstückten. Der in England genauso wie in Deutschland geltenden „5 am Tag“-Regel für den Verzehr von Obst und Gemüse folgte nur einer von vier befragten Schülern. Einer von 10 Befragten gab an, gar kein Obst oder Gemüse zu essen.

Die Situation in Deutschland sieht nicht so viel anders aus: Einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach zur Folge, geht jedes zehnte Grundschulkind ohne Frühstück zur Schule. Und die Analysen der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) belegen, dass das Ernährungsverhalten von Schulkindern bei weitem nicht den Empfehlungen entspricht. „Viele Kinder ernährten sich unausgewogen und verzehrten häufig gezuckerte Getränke. Dieses Verhalten hängt – in England wie hierzulande – eng mit der Bildung und dem Sozialstatus des Elternhauses zusammen“, erklärt Hans Hauner. Das Schulprogramm der Europäischen Union (EU) steuert dem entgegen. Es ist die Zusammenführung des bisherigen EU-Schulobst- und -gemüseprogramms und dem EU-Schulmilchprogramm. Die Verteilung der Mittel erfolgt auf Basis der Anzahl der 6- bis 10-jährigen Kinder in den Mitgliedstaaten. Empfänger der Produkte können grundsätzlich Kinder in allen Bildungseinrichtungen sein, also in Kindergärten, Grund- und weiterführenden Schulen. Damit konnten bisher durch das EU-Schulprogramm Kinder in Deutschland mit fast siebentausend Tonnen Obst und Gemüse versorgt werden.

Redaktion GastroInfoPortal